Rund um Münster

Wohnen wird zum Armutsrisiko – auch in Münster

Wenn die Ausgaben fürs Wohnen (Bruttokaltmiete) über 30 Prozent der Haushaltsausgaben liegen, spricht man von einem Armutsrisiko. Deshalb warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V. (BAG-SB), dass hohe Wohnkosten „ein erhebliches Verschuldungsrisiko“ darstellen. „Selbst Haushalte mittleren Einkommens könnten aufgrund gestiegener Wohnkosten kaum noch Rücklagen bilden für unvorhergesehene Rechnungen oder Reparaturen“, so die BAG SB. Wohnen sei keine Ware. Deshalb dürfte „die Vergabe von mietpreisgebundenem, staatlich gefördertem Sozialen Wohnungsbau nicht mehr abhängig […] von der Vorlage einer Bonitätsauskunft“ gemacht werden.

Für Münster gilt, dass 40 Prozent aller Haushalte diese Belastungsgrenze übersteigen. Für diese 40 Prozent ist also ein Armutsrisiko gegeben. Das hat eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Diese hat 77 deutsche Großstädte untersucht. Die Forscher haben für jede dieser deutschen Großstädte ein Profil der Wohnsituation erstellt.

Münster kommt demnach mit seiner Mietbelastungsquote auf Platz 25 der am höchsten belasteten Großstädte.

Mietbelastungsquote Münster. Grafik: Jan Große Nobis
Weitere Ergebnisse der Studie

Über die Hälfte der Wohnhäuser in Münster (99.511/58,7 Prozent) sind übrigens zwischen 1949 und 1978 gebaut worden. Nach 2011 sind gerade einmal 3.854 Wohnhäuser (2,3 Prozent) realisiert worden.

Über die Hälfte der Wohneinheiten (96.413/56,9 Prozent) haben 45 bis 90 Quadratmeter Wohnfläche. 74.379 der Haushalte sind 1-Personen-Haushalte (43,9 Prozent). Knapp 75 Prozent wohnen zur Miete. 80 Prozent zahlen eine Bruttokaltmiete von über 6,50 EUR.

Bruttokaltmiete. Grafik: Jan Große Nobis
Den armen Singles in Münster fehlt der dem Einkommen angemessene Wohnraum
Versorgungslücke 1-Personen-Haushalte. Grafik: Jan Große Nobis

In Münster gibt es nach Angaben der Studie eine Versorgungslücke von 21.393 Wohnungen für 1-Personen-Haushalte mit weniger als 60 Prozent des Bundesmedianeinkommens (Die Höhe des fiktiven Einkommens eines Haushalts, unter dem 50 Prozent aller Haushalte weniger Einkommen haben und 50 Prozent mehr), das bei 1.484 EUR liegt. Und für den Bereich 60 bis 80 Prozent des Bundesmedianeinkommens fehlen noch einmal 6.342 Single-Wohnungen.

Versorgungslücke gesamt. Grafik: Jan Große Nobis

Insgesamt fehlen in Münster 33.292 Wohnungen für Haushalte mit weniger als 80 Prozent des Bundesmedianeinkommens. 9.113 Wohnungen fehlen für Haushalte mit Einkommen mit 60 bis 80 Prozent des Bundesmedianeinkommens und 24.179 Wohnungen für Haushalte mit Einkommen mit unter 60 Prozent des Bundesmedianeinkommens.

Da wundert auch nicht die Studie der „Wohnraumoffensive Münsterland“ über den Mangel an Wohnraum im Münsterland und die Meldung, dass in Münster sogar die Bauaktivitäten rückläufig sind: „Für das vergangene Jahr weist die Statistik von IT.NRW für Münster lediglich 1.140 fertiggestellte Wohneinheiten aus. Das entspricht gegenüber 2017 einem Rückgang von 26,7 Prozent“, melden „Die Wiedertäufer“. Die Stadt hatte sich dagegen 2017 vorgenommen, 2.000 neue Wohneinheiten pro Jahr zu bauen. Hoffentlich sind die 2.282 Baugenehmigungen für Wohnungen, die 2018 erteilt wurden, der Anfang dieses Vorhabens. Das ist jedenfalls eine Steigerung um 86 Prozent.

Die Wohnmisere wird sich aber auch nicht ändern, wenn die Stadt weiterhin auf Privatinvestoren setzt und keinen kommunalen Wohnungsbau oder andere Alternativen vorantreiben will. Denn: Diese Versorgungslücke werden Privatinvestor*innen nicht lösen können und wollen!

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