Rund um Münster

Wohnungsmarkt: Im Münsterland fehlen jährlich 10.000 neue Wohnungen – die Preise explodieren

Eine neue, erstmals erstellte Studie belegt, im Münsterland fehlen Wohnungen, der Markt ist angespannt und die Preise auf dem Wohnungsmarkt steigen rasant. So sind die Bodenpreise und Mieten immens gestiegen.

Hier wird angepackt: Renovierung in Münster. Foto: Jan Große Nobis/Sperre

Für die Mieten gilt: Zwischen 2011 und 2017 sind die Mieten in Münster um 17,3 Prozent gestiegen, in Beelen gar um 26,6 Prozent. Das heißt für Münster: Die Mieten stiegen von 7,84 EUR pro Quadratmeter und Monat auf 9,20 EUR. In Beelen stiegen die Quadratmeterpreise von 4,55 auf 5,76 EUR. Dagegen wohnt man in Enningerloh am billigsten mit 5,45 EUR.

In Münster seien die Bodenpreise sogar im gleichen Zeitraum um 55,2 Prozent gestiegen: Von 290 EUR pro Quadratmeter im Jahr 2011 auf 450 EUR in 2017.

Das habe auch seine Ursachen: Das Münsterland sei eine „Boom-Region“. Immer mehr Fachkräfte würden zuwandern. Die dramatische Entwicklung der Mieten könne sogar das wirtschaftliche Wachstum behindern, da der hohen Mieten Fachkräfte abschrecken würden.

Über die Studie und die Auftraggeber

Die Studie wurde im Auftrag der „Wohnraumoffensive Münsterland“ erstellt und hat den Wohnungsmarkt der Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie der Stadt Münster untersucht.

Die Wohnraumoffensive ist ein Zusammenschluss von WohnBau Unternehmensgruppe, Sparkasse Westmünsterland, Kreissparkasse Steinfurt, Kreis Warendorf und Stadt Münster.

Die Studie wurde erstellt von der auf Wohnungsmarktforschung spezialisierten Pestel-Instituts aus Hannover. Sponsoren sind Unternehmen der Finanz- und Immobilen-Branche der Region.

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen: http://lbs-presse.nrw/wohnungsbedarf-muensterland/

Im Münsterland fehlen jährlich 10.000 neue Wohnungen

Im Münsterland fehlen jährlich 10.000 neue Wohnungen, so die zentrale Aussage der Studie. 13.000 Wohnungen seien in den letzten Jahren zu wenig gebaut worden. So seien 2017 nur 7.600 Wohnungen gebaut worden. Die Annahme, dass es im ländlichen Raum eher zu Leerständen kommen würde, wenn neu gebaut würde, hätte sich als falsch erwiesen. Zumindest für das Münsterland.

In Münster hätten 2011 rund 1.300 Wohnungen gefehlt, im Jahr 2017 seien es schon 3.000 gewesen. Für Münster hat die Studie deshalb mehrere Szenarien der Entwicklung aufgezeigt: Danach fehlen allein in Münster jährlich 740 bis 2.100 Wohnungen.

Der Trend gehe zu Single-Haushalten, es bräuchte daher mehr Single-Wohnungen z.B. auch für Senior*innen. Aber auch hoher Bedarf an barrierefreien Wohnungen oder Wohnungen für einkommensschwache Menschen sei gegeben. Ebenso fehlte es an Angeboten für den mittleren oder gehobenen Standard. Bauanträge würden sich in den Bauämtern stapeln. Auch Mietobjekte fehlten.

„Der Schlüssel zur Lösung der Wohnungsnot liegt in privater Hand“, so sagt Jörg Münning, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse LBS West, die zu den Sponsoren der Studie zählt.

Liegt es an der fehlenden „Willkommenskultur für Privatinvestoren“?

Ob es wirklich so ist, sollte aber bezweifelt werden. Natürlich ist eine Ursache der Mangel an neuem Bauland [der natürlich aus ökologischer Sicht auch sinnvoll ist]. Die Wohnmisere – vor allem im unteren Preissegment – hat aber schließlich seine Ursache in dem Rückzug aus dem kommunalen Wohnungsbau und der Privatisierung der alten kommunalen Bestände. Der Markt sollte den Immobilienmarkt regeln und durch Privatisierungen die kommunalen Haushalte saniert werden. Das hat seine Spuren hinterlassen. Schließlich braucht auch der Wohnungsmarkt einen gewissen Wohnraummangel, um genug Dividenden abgreifen zu können. Dem Immobilienmarkt hat schließlich die Situation der letzten Jahre mehr genützt als geschadet!

Im Übrigen fordert der Münsteraner Mieterverein schon lange mehr Wohnungen für Münster: Nach deren Analyse fehlen in Münster 1.000 neue Sozialwohnungen jährlich! Insgesamt seien jährlich 2.000 neue Wohnungen in Münster notwendig.

Und die Hans-Böckler-Stiftung hat jüngst in einer Studie festgestellt: Die Mietbelastungsquote (Bruttokaltmiete im Verhältnis zum Nettoeinkommen) ist in Münster besonders hoch: sie liegt bei 40,1 Prozent und liegt damit unter den 30 am meisten belasteten Städten Deutschlands. Daher würden in Münster inzwischen über 33.000 bezahlbare Wohnungen fehlen!

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