Rund um Münster

B-Side-Festival: Bauantrag eingereicht – Hansaviertel macht Kultur

Im alten Hill-Speicher ist seit Jahren die Kreativ-Szene zu Hause. Der Hill-Speicher – früher Auslieferungslager der Supermarktkette Hill – soll aber weiterentwickelt werden: Es soll das „Quartiers-Wohnzimmer“ für das gesamte Hafenviertel werden. Der Bauantrag ist gestellt. Am 11. August 2019 berichtete das B-Side auf Facebook: „Gemeinsam mit dem Ruderverein Münster von 1882 e.V. und der Wirtschaftsförderung Münster GmbH haben wir unseren Bauantrag bei der Stadt Münster eingereicht.“

Mit der Umgestaltung des Nordwestufers stiegen auch die Mieten

Das B-Side hat aber schon eine lange Tradition: Mit der Umgestaltung des Hafen-Areals zum Kreativ-Kai wurden auch die Mieten teurer. „Als die Stadt in den späten 90ern und frühen 2000ern begann, alte Hafengebäude am Nordwestufer des Hafens zugunsten der Glas-und-Stahl-Fassaden des „Kreativ-Kai“ abzureißen. Mit der Umgestaltung des Nordwestufers stiegen auch die Mieten am Hafen“, so beschreibt das B-Side die Situation: „Ein zweischneidiger Prozess, denn die Kreativen, die den Hafen erst wieder attraktiv gemacht hatten, konnten sich die stark gestiegenen Mieten nun kaum noch leisten. So nahm die Gentrifizierung ihren Lauf.“

Das Konzept des B-Side als Raumplan. Collage: B-Side.

Widerstand gegen diesen Verdrängungsprozess

Das B-Side konnte aber dank Erbpachtvertrag noch bis 2015 weiter machen. Und sie waren der festen Ansicht, es müsse darüber hinaus auch weitergehen: „Doch im Hill-Speicher, auf der ‚B-Seite‘ des Hafens gegenüber Kreativ-Kai und Osmo-Hallen gelegen, formte sich Widerstand gegen diesen Verdrängungsprozess. Mit einer Mischung aus freier Kunst, legendären Partys und einer Politik der Offenen Tür etablierte sich im Hill-Speicher ein aktives und strahlkräftiges Kulturzentrum der lokalen Subkultur.“

„Die Vision eines gemeinnützigen, nichtkommerziellen Kulturzentrums“

Als der Erbpachtvertrag 2015 auslief, musste also ein neues Konzept her: „Ein Teil dieses mittlerweile „B-Side“ genannten Kollektivs stemmte sich jedoch gegen die geplante Privatisierung und erarbeitete in Windeseile die Vision eines neuen Nutzungskonzepts. Das überzeugte 2016 auch den Stadtrat von Münster, der B-Side im Hill-Speicher eine Chance zu geben, um ein Geschäftskonzept und Pläne für die Sanierung des Speichers aufzustellen.“ Inzwischen ist der Bauantrag eingereicht. Ein Meilenstein auf dem Weg zum „Quartiers-Wohnzimmer“!

Das Hansaforum: Bürger*innen entwickeln ihr Viertel weiter

Das B-Side will aber noch mehr. Es hat das Hansaforum ins Leben gerufen: Die Bürger*innen des Hansaviertels sollen an der Gestaltung des Hansaviertels beteiligt werden: „Im Zeitraum von drei Jahren, von Anfang 2019 bis Ende 2021, legt die Bürgerschaft Werte und Ziele für die Entwicklung des Viertels fest und fördert gemeinwohlorientierte Projekte“, so das Vorhaben. Das alles geschieht in Arbeitsgruppen. Es konnten schon in einer ersten Projektphase erste Projektgelder beantragt werden.

Im Moment wird an einem Quartier-Gemeinwohl-Index (QGI) gearbeitet: Damit soll das nachbarschaftliche Verhältnis der Bürger*innen gefördert werden, über Begegnungsorte im Viertel diskutiert oder auch klimaneutrale und inklusive Konzepte für das Viertel einwickelt werden. Das alles geschieht in Arbeitsgruppen.

Die ersten Eckpunkte zum QGI sind seit August schon festgelegt. Grafik: Hansaforum.

Die ersten Eckpunkte zum QGI sind seit August schon festgelegt: „Tadaaa! Das will das Hansaviertel! In neun Zielen halten 84 Menschen aus dem Hansaviertel fest, was sie sich für das gemeinsame Leben in unserem Viertel wünschen. Die Ziele sind das Ergebnis des 1. Hansa-Konvents und werden seitdem in Teams genauer bestimmt. Aus ihnen wird der Quartier-Gemeinwohl-Index gegossen (QGI)! Mit ihm entscheiden die Hansa-Bürger*innen über die Förderung von gemeinwohlorientierten Projekten für’s Viertel.“

Das Hansaforum ist eines von bundesweit vier Quartiersentwicklungsprojekten, die vom bundesweiten Stadtentwicklungsplan „Stadt gemeinsam gestalten: Neue Modelle der Quartiersentwicklung” prämiert wurde und wird damit mit einer Fördersumme von 725.000 Euro unterstützt.

B-Side-Festival: Hansaviertel wird zum vierten Mal in eine bunte Vielfalt getaucht

Vom 20. bis 21. September wird das B-Side-Festival zum vierten Mal ausgetragen. Unter dem Motto „Partizipassion – Entdecke das Quartier in Dir!“ soll das Hansaviertel und die B-Side in eine bunte Vielfalt eintauchen: „Wie in jedem Jahr soll unser Programm ein exotisches Potpourri aus Musik, Ausstellungen, Theater, Performance, Workshops u.v.m. werden“, so schreibt die B-Side. Es waren im Vorfeld alle aufgerufen, zum Programm beizutragen.

Fotocollage: B-Side-Festival.

So ist das Programm auch sehr bunt geworden: Es gibt…

…Live-Musik wie die Rock-Band TyranTorero aus dem Westmünsterland. „Würde man die Jungs nach ihrem Genre fragen, würden sie wahrscheinlich antworten, dass sie sich stilistisch im Alternative Rock mit Einflüssen aus Grunge, Punkrock und noch einigem mehr rumtreiben“, so die Ankündigung des Festivals über die Band.

…Lesungen, wie die „luftruinen-Lesebühne für kulturelle Vielfalt“, die die unabhängige Literaturzeitschrift „luftruinen – flugschriften für freigeistkultur“ anbietet. Dort treten neben Münsters Türmerin Martje Saljé, hier als Singer-Songwriterin, der Anarcho-Poet Ralf Burnicki aus Herford, der Dub-Poet Andi Substanz aus Münster, die Poetin Melanie aus Hamm, der Klavierkabarettist Kaum Jemand aus Münster und der Entertainer Hans Vogel auch aus Münster auf.

Daneben gibt es viele Workshops, Performances, Info-Stände, Ausstellungen, Kinderprogramm und vieles mehr…

Tagsüber ist der Eintritt zu den Veranstaltungen grundsätzlich frei, so die Veranstalter*innen zum Festival. Sie hoffen aber natürlich auf Spenden. Es könne auch direkt der Kulturverein unterstütz werden, um das Festival und das Projekt zu unterstützen.

Das Fest beginnt Freitag, den 20. September 2019 um 17:30 Uhr mit einer Eröffnungsfeier im Sozialpalast und endet am Samstag in der späten Nacht. Am Samstag beginnt das Programm wieder um 12:00. Das gewaltig vielfältige Programm ist unter https://b-side.ms/festival-2019/programm/ abrufbar.

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