Wohnen

Immobilienmakler: Ende der Goldgräberzeit

Obwohl das Gesetz es seit dem 1. Juni anders will, versuchen manche Immobilienmakler die Provision, die sie erhalten, immer noch auf die Mieter abzuwälzen.  Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, greifen vor allem Makler von kleineren Unternehmen jetzt zu fiesen Tricks, um am Ende doch die Mieter die Courtage zahlen zu lassen. Beliebt sei zum Beispiel, neue Gebühren zu erfinden, hat Marc Meyer festgestellt, der für den Hamburger Verein „Mieter helfen Mieter“ als Rechtsanwalt tätig ist. „Vertragsausfertigungsgebühren in Höhe von mehreren hundert Euro, das haben wir ein paar Mal gesehen“, sagt er in der SZ. Andere würden frech auf die Unwissenheit der Wohnungsbewerber setzen und einfach weiter wie früher die Courtage verlangen. Trotz des neuen „Bestellerprinzips“, das demjenigen die Kosten auferlegt, der den Makler beauftragt hat – in der Regel ist das der Vermieter.

shop.robertskneschke.de/pixelio.de
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Bei der momentanen Wohnungsnot in vielen deutschen Städten, reiche oft schon der Hinweise darauf, dass nur der Interessent die Wohnung bekommt, der bereit ist, einen Zusatzobolus zu entrichten. Es komme vor, dass Makler beim Besichtigungstermin einen Vertrag hervorzaubern, in dem der zukünftige Mieter nachträglich bestätigen muss, den Auftrag für die Wohnungssuche erteilt zu haben und nicht der Vermieter. „Der Preis dafür: zwei Nettokaltmieten. ‚Vorab-Beauftragung‘ nennt sich das, erlaubt ist es nicht“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Besonders dreiste Makler lassen sich auch nicht von drohenden Bußgeldern abschrecken, die bis zu 25.000 Euro betragen können. Die Mehrzahl halte sich jedoch an das neue Gesetz, hat der Mieterverein in Hamburg festgestellt: „Wir gehen davon aus, dass sich in der Branche die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass sich Umgehungsversuche nicht lohnen.“

Oft versuchen aber auch die Vermieter, das Honorar für den von ihnen beauftragen Makler durch die Hintertür wieder herein zu bekommen. Indem sie beispielsweise vom neuen Mieter die Übernahme einer Einbauküche zu einem völlig überteuerten Preis verlangen. Der Interessent kann dagegen wenig unternehmen: Wie soll er den Zusammenhang mit der Provision des Maklers nachweisen? Bei der grassierenden Wohnungsnot sind viele Mieter zähneknirschend bereit, die viel zu teure Küche zu übernehmen – tun sie es nicht, stehen Dutzend andere Bewerber schon parat. Viele Makler haben seit dem 1. Juni ihre Strategie im Internet geändert. Klicken Besucher der Homepage auf ein interessantes Angebot, erhalten sie oft die Meldung, ausgerechnet die gewünschte Wohnung sei leider bereits vergeben. Man könne aber nach anderen suchen. Er sei jedoch „seit Kurzem gesetzlich aufgefordert, Sie zu bitten, uns mittels eines Suchauftrags schriftlich zu beauftragen“, schreibt ein Makler aus Köln auf seiner Internetseite.

Initiative-Echte-Soziale-Marktwirtschaft-IESM/pixelio.de
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Der Immobilienverband Deutschland (IVD) klagt, dass Mieter nun praktisch keine Möglichkeit mehr hätten, Maklern einen Auftrag zu erteilen, denn für Wohnungen, die bereits im Angebot sind, darf der Makler keine Courtage berechnen – zumindest nicht vom zukünftigen Mieter. Bei solchen Wohnungen war ja offensichtlich der Eigentümer der Auftraggeber und muss deshalb die Provision übernehmen. Macht sich ein Makler extra für den Mieter auf die Suche und wird auch dafür von ihm bezahlt, darf er zudem die gefundenen Wohnungen laut Gesetz keinem zweiten Bewerber anbieten. Ein Makler aus Hamburg erzählt in der Süddeutschen Zeitung, dass ungefähr zehn Prozent seiner Vermieter sich jetzt selbst darum kümmern wollen, ihre Wohnungen an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Der Rest zahle lieber anstatt sich in den Papierkram zu stürzen, der eine Neuvermietung mit sich bringt zu stürzen. „Ein paar haben es auch probiert und dann doch gesagt, ich solle mich darum kümmern“, zitiert ihn die SZ.

Nach Angaben des Vermieterverband Haus & Grund machen sich jedoch mehr und mehr Hauseigentümer seit dem 1. Juni selbst auf die Suche nach neuen Mietern. Um ihnen dabei zu helfen, haben sich in den letzten Wochen laut Süddeutsche Zeitung zahlreiche Start-ups gegründet, die den Vermietern ein Rundum-Sorglospaket für nur 500 Euro anbieten – deutlich weniger als das, was herkömmliche Makler bislang von den Mietern verlangen konnten. Der harte Preiskampf auf dem freien Markt trifft nun endlich auch die Makler, die bis vor kurzem vom Missverhältnis zwischen geringem Angebot und großer Nachfrage auf Seiten der Mieter prächtig profitierten.

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