Rund um Münster

LEG-Gewinne wachsen weiter

Ein Gastbeitrag von Werner Szybalski, LEG-Mieter*innen-Initiative Münster.

„Der drittgrößte private Wohnkonzern Deutschlands [LEG Immobilien AG] konnte seine Gewinne bereits im ersten Quartal deutlich steigern“, vermeldete die Online-Ausgabe des Handelsblatts in ihren Börse-News am 9. August. Gute Nachrichten für die Besitzer von LEG-Aktien – schlechte Nachrichten für die über 350.000 Mieter*innen in den rund 131.000 Mietwohnungen der LEG.

Drei Fragen zum Halbjahresgeschäftsbericht beantwortet CFO Eckhard Schultz auf dem Youtube-Kanal der LEG. Screenshot: Youtube.

Die Mieteinnahmen stiegen laut Pressemitteilung der LEG um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf durchschnittlich 5,77 Euro pro Quadratmeter. Dabei profitierte die LEG insbesondere von Mietsteigerungen in bislang noch nicht hochpreisigen Städten, sogenannten B-Städten. Hintergrund ist der weiterhin leergefegte Wohnungsmarkt, der der LEG Mietsteigerungen durch Mieter*innenwechsel ermöglicht. Derzeit taxiert die LEG ihren Besitz auf 1287 Euro pro Quadratmeter. Die Wertsteigerung beruht allerdings auch auf Buchgeld, denn die LEG bewertete ihren Immobilienbesitz zur Jahresmitte neu. Über eine halbe Milliarde wuchs durch die durchschnittliche Aufwertung von 5,2 Prozent der Firmenwert.

Dem Verkauf von 2700 Wohnungen „mit größerem Investitionsbedarf“, unter anderem in Dorsten-Barkenberg, Dortmund und Wuppertal, stehen laut LEG Ankäufe von 1000 Wohneinheiten gegenüber. Bis zum Jahresende plant die LEG offensichtlich weitere Zukäufe, da sie „von einem leichten Portfoliozuwachs […] bei gleichzeitig weiter verbesserten Portfolioqualität“ ausgeht. Dies entspricht der bisherigen Tendenz, möglichst viele frei finanzierte Wohnungen beziehungsweise ehemals öffentlich geförderten Wohnraum mit abgelaufener Sozialbindung in ihren Besitz zu bringen. Dies, da in diesen Wohnungen nicht nur leichter Gewinne durch Modernisierungen zu erzielen sind, sondern auch die Mieter*innenwechsel einfacher möglich sind.

Die Bauten oben sind der dritte Bauabschnitt in der autofreien Siedlung. Alle Wohnungen sind 2018 fertig gestellt worden, frei finanziert und trotz einer zweistelligen Quadratmetermiete bewohnt. Foto: Werner Szybalski.

Auch mit Neubauten, derzeit entstehen etwa in Köln rund 1000 neue LEG-Wohnungen, will die LEG die günstige Marktlage für Immobilien-Investitionen nutzen. Im vergangenen Jahr baute die LEG in der autofreien Siedlung Weißenburg neue Wohnungen, die alle frei finanziert sind, so dass der Quadratmeterpreis nach Auskunft von Nachbarn in den öffentlich geförderten Wohnungen überall oberhalb der Zehn-Euro-Marke läge. LEG-Chef Lars von Lackum sieht die Neubauaktivitäten als „einen Beitrag zur Entspannung der Wohnungsmärkte“. Damit würde die LEG die „Problemlösung an der Wurzel“ gewährleisten.

Die Häuser rechts sind 2018 fertig gestellt worden. Links ist öffentlich geförderter Altbestand in der autofreien Siedlung Weißenburg zu sehen. Foto: Werner Szybalski.

Die ARD kommt auf der Webseite „boerse ard“ allerdings zu anderen Einschätzungen: „Dank höherer Mieten hat der Wohnungskonzern im ersten Halbjahr seinen Gewinn deutlich gesteigert. Das operative Ergebnis (FFO1) legte in den ersten sechs Monaten um 9,3 Prozent auf 171 Millionen Euro zu.“ Erzielte die LEG in 2018 767 Millionen Euro Erlöse aus Vermietung und Verpachtung erwartet das Unternehmen für 2019 durch die Maßnahmen eine Steigerung des Gewinns auf 338 bis 344 Millionen Euro.

Siehe auch:

Widerstand ist möglich (und nötig)
http://legmieter.de/2019/08/13/widerstand-ist-moeglich-und-noetig/

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