aus dem Magazin

Keine Monokultur

Vielfalt erhalten und ermöglichen! ●

von Donata Godlewska

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auch das Titanik-Theater entwickelte sich in Münster
Münster, die lebenswerteste Stadt braucht eine lebendige und abwechslungsreiche Kunstszene

„Eine heiße Luft“ sollte in Münsters Geomuseum in der Pferdegasse wehen. Unter diesem Motto fand am 17.Mai 2014 eine offene Podiumsdiskussion zum Thema Kunstförderung statt.

Anlass war die Kommunalwahl. Es unterhielten sich die Veranstalter der „Monokultur“ mit sechs Podiumsgästen aus Politik und Kultur über den Fortbestand der Münsteraner Kulturszene. Das Medienforum Münster übertrug die gesamte Veranstaltung live über das neu gegründete Web-Radio.

Wer glaubt die Initiative Monokultur ist ein Zusammenschluss der Landwirte, wird nach den ersten Kommentaren merken, dass es sich hier in Wahrheit um eine Vereinigung freier Künstler handelt. Unter dem Titel „Maßnahmen für kulturelle Vielfalt in Münster“ fordern die Künstler mehr Unterstützung auch, aber nicht nur, finanzieller Art:

Die erste Forderung: 200.000 € jährlich reichen längst nicht mehr als Unterstützung zur Nachwuchsförderung aus. 300.000 € jährlich wären besser.

Zweitens brauchen die freien Künstler genügend Arbeitsmittel, um arbeiten zu können. Freie Räumlichkeiten und technische Möglichkeiten sollten ausreichend zur Verfügung stehen.

Drittens: Laufende Betriebskosten steigen; Löhne, Energiekosten und andere Sachausgaben werden nicht billiger. Auch hier fordern die Künstler eine automatische Angleichung der Fördermittel um 3% jährlich.

Eine zusätzliche Kulturförderung wäre eine Stiftung, um eine Eigenmittelförderung ins Leben rufen zu können. Durch die Gründung eines Eigenmittelfonds könnte man Projekte und Projektmittel wieder und weiter ermöglichen.

Freie Künstler:
Freie Künstler: z.B. Puppenspiel mit Ruppe Kosellek

Und zu guter Letzt: Technisch aufwendige Projekte können sehr kostspielig sein. Diese können nicht aus den Eintrittspreisen beglichen werden und daher kommt es oft vor, dass z.B. gute Theaterstücke vorzeitig abgesetzt werden. Um eine Wiederaufnahme von beliebten Stücken zu ermöglichen, brauchen die freien Künstler weitere 40.000 € jährlich – so eine eher konservative Zusatzkostenschätzung.

Zahlreiche Künstler aus Münsters Urgesteinszene, z.B. Titanik, Kleiner Bühnenboden, Cuba Kultur, Freynde und Gaeste, Haverkamp, … kamen, um über ihre Forderungen zu sprechen.

Auf dem Podium war die Politik vertreten durch:
Dr. Dietmar Erber (CDU, stellvertr. Vorsitzender Kulturausschuss)
Wendela-Beate Vilhjalmsson (SPD Bürgermeisterin, Vorsitzende Kulturausschuss)
Heinrich Götting (FDP, Mitglied Kulturausschuss)
Tim Rohleder (Bündniss90/ Die Grünen/ GAL,Mitglied Kulturausschuss)
Rüdiger Sagel (Die Linke, Sprecher des Landesverbandes NRW)
Martin Gutsch (Piratenpartei)

Die Moderation leitete der bekannte Entertainer Adam Riese (bekannt aus der Adam Riese Show, Pumpenhaus).
Die mehrstündige Debatte, in der auch das Publikum mit einbezogen wurde, verhieß kein lindes Lüftchen zu werden. Adam Riese bewies hier, dass er Mann seines Faches ist und lenkte immer wieder geschickt ein.
Wer damit rechnete, dass die freien Künstler Schwierigkeiten beim Durchdrücken ihrer Forderungen bekommen würden, wurde überrascht. Die Parteivertreter waren sich einig, den Künstlern nicht nur in finanzieller Hinsicht zu helfen, sondern ihnen auch Möglichkeiten zu bieten, Hilfen selbst zu kreieren. Fazit: Münster ist eine Kulturstadt und soll auch eine Kulturstadt bleiben.

Sie lobten „Monokultur“ für ihre konkret aufgestellten Forderungen und ermutigten sie diese auszubauen und hartnäckig weiter bei den Politikern zu „nerven“. Treten die freien Künstler hier offene Türen ein? Alles schön und gut, aber ohne Moos, nix los und woher nehmen und nicht stehlen? Bei Münsters Haushaltsdefizit von 20.000.000 € leichter gesagt als getan!

"MS_Hängung 2012". Die neue Ausstellungshalle am Haferkamp
Lebendige Kunst: „MS_Hängung 2012“ – Ausstellungshalle am Haferkamp

Hier die wichtigsten Ergebnisse der Diskussion:

Die geringsten Kosten-Posten bei einer Förderung sind nicht genutzte Arbeitsräume und Geräte. Sie zu finden stieß allgemein auf Zustimmung.

Forderungen, die mit höheren Kosten verbunden waren (Verdoppelung der jährlichen Zuschüsse, automatische Angleichung der Kosten an die Inflationsrate von 3%, Projektförderung durch jährliche Bezuschussung von 40.000 €), erwiesen sich bei der Diskussion als strittig und schwer durchsetzbar.

Es kamen Vorschläge, die Mittel mittels einer Erhöhung der Grund-oder der Gewerbesteuer zu nehmen. Dies fand aber nicht überall Zustimmung.

Mehr Sympathien rief die Idee hervor, Einnahmen einer Bettensteuer für Touristen zur Förderung der Münsteraner Kulturszene heranzuziehen.

Für die Schaffung eines Eigenmittelfonds kamen den Podiumsgästen noch keine geeigneten Ideen.

Gegen Ende der Sitzung waren sich Volksvertreter, Künstler, Moderator und das Publikum einig: Münsters Kulturszene ist ein wichtiger Teil für die Bildung. Münster muss weiterhin eine schillernde Kulturstadt bleiben! Ja, so viel heiße Luft hat die Gemüter erwärmt. Man darf gespannt sein, wie lange es dauert bis sie sich wieder abkühlt.

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