Verbraucher
Mehr Schutz bei Online-Abos durch verpflichtenden Widerrufs-Button
Verbraucherinnen und Verbraucher sollen sich künftig einfacher aus online abgeschlossenen Verträgen lösen können. Anbieter von Abonnements müssen verpflichtend einen gut sichtbaren Widerrufs-Button einbauen, über den Verträge mit nur einem Klick beendet werden können. Damit reagiert die EU auf sogenannte „Abo-Fallen“, bei denen der Vertragsabschluss leicht, die Kündigung aber kompliziert ist. Die Regelung betrifft insbesondere Streamingdienste, Fitness-Abos oder Online-Portale. Deutschland muss die entsprechende EU-Vorgabe spätestens bis März 2026 in nationales Recht umsetzen. Ziel ist es, Transparenz zu erhöhen und ungewollte Vertragsbindungen zu vermeiden.
Recht auf Reparatur stärkt nachhaltigen Konsum
Künftig erhalten Verbraucher für bestimmte Elektrogeräte ein gesetzlich verankertes Recht auf Reparatur – auch nach Ablauf der Gewährleistungsfrist. Hersteller und Importeure müssen für Geräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Geschirrspüler Reparaturen über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren anbieten. Die Kosten tragen zwar die Käufer, sollen aber „angemessen“ bleiben. Die Maßnahme ist Teil der EU-Ökodesign-Strategie und soll Elektroschrott reduzieren sowie die Lebensdauer von Produkten verlängern. Deutschland muss die Regelung bis spätestens Juli 2026 umsetzen.
Härteres Vorgehen gegen Greenwashing
Um irreführende Umweltwerbung zu verhindern, verschärft die EU die Regeln für Nachhaltigkeitsversprechen. Aussagen wie „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ oder „CO₂-neutral“ dürfen künftig nur noch verwendet werden, wenn sie eindeutig belegt sind. Unternehmen müssen entsprechende Nachweise erbringen, etwa durch überprüfbare Klimabilanzen. Die neue Regelung tritt am 27. September 2026 in Kraft und soll Verbraucherinnen und Verbrauchern verlässliche Orientierung beim nachhaltigen Einkauf bieten.
Online-Shopping bei Nicht-EU-Anbietern wird teurer
Bestellungen bei günstigen Online-Händlern außerhalb der EU wie Temu oder Shein werden ab Juli 2026 kostenintensiver. Auch für Waren unter 150 Euro fällt künftig eine pauschale Abgabe von drei Euro an, die bislang zollfrei waren. Ziel der Maßnahme ist es, Wettbewerbsverzerrungen gegenüber europäischen Händlern zu reduzieren und den Zollaufwand zu finanzieren. Für Verbraucher bedeutet das höhere Endpreise und möglicherweise längere Lieferzeiten.
Neue Regeln für „Buy now, pay later“-Angebote
Kurzfristige Zahlungsaufschübe beim Online-Shopping unterliegen künftig strengeren Vorschriften. „Buy now, pay later“-Modelle werden als Verbraucherkredite eingestuft, sodass Anbieter die Kreditwürdigkeit der Kunden prüfen müssen. Damit will die EU-Überschuldung verhindern, insbesondere bei jungen Menschen. Die neuen Regeln bringen mehr Transparenz, können aber auch dazu führen, dass spontane Ratenkäufe schwieriger werden.
Arbeit & Soziales
Mindestlohn
Der gesetzliche Mindestlohn wird zum 1. Januar 2026 deutlich angehoben. Er steigt von 12,82 Euro auf 13,90 Euro brutto pro Stunde. Davon profitieren laut Bundesregierung bis zu 6,6 Millionen Beschäftigte. Auch zahlreiche Branchenmindestlöhne, etwa im Bau- und Handwerksbereich, steigen. Bereits beschlossen ist zudem eine weitere Erhöhung ab 2027. Ziel ist es, Kaufkraft zu sichern und Erwerbsarmut zu reduzieren.
Minijob: Befreiung von Abgaben zur Rentenversicherung widerrufbar
Voraussichtlich ab 1. Juli 2026 können Minijobber eine vorgenommene Befreiung von der Rentenversicherungspflicht einmalig wieder rückgängig machen. Die Aufhebung wirkt nur für die Zukunft und muss beim Arbeitgeber beantragt werden. Bei mehreren Minijobs ist sie nur einheitlich möglich. Eine erneute Befreiung ist danach ausgeschlossen. Wer weitere Rentenzeiten braucht, kann sie mit Beiträgen aus dem Minijob erwerben.
Aufwandsentschädigung steuerfrei und anrechnungsfrei
Die sogenannte Übungsleiterpauschale steigt zum Jahresbeginn 2026 auf 3300 Euro im Jahr, bisher waren das 3000 Euro. Wer gemeinnützige Tätigkeiten im künstlerischen, betreuenden oder anleitenden Bereich ausübt und dafür eine Aufwandsentschädigung erhält, braucht sie bis zu dieser Summe nicht versteuern. Auch Sozialleistungen rechnen bis zu dieser Summe nichts an, also etwa das Arbeitslosengeld, das Bürgergeld, die Grundsicherung, die Sozialhilfe und so weiter.
Für andere ehrenamtliche Tätigkeiten im gemeinnützigen Bereich, etwa Hausmeisterei oder Kassenführung, steigt diese steuerfreie, anrechnungsfreie Grenze von 840 auf 960 Euro.
Mindestlohn vs. Bürgergeld
Wer in Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet, hat laut einer WSI-Studie in allen Regionen und Haushaltsformen mehr Geld zur Verfügung als Personen mit Bürgergeld. Alleinstehende haben im Schnitt 557 Euro monatlich mehr, Alleinerziehende mit einem Kind 749 Euro, Paare mit zwei Kindern 660 Euro. Regional fällt der Abstand unterschiedlich aus und ist in Hochmietenstädten geringer. Ursache für den durchgehend bestehenden Einkommensvorteil sind auch ergänzende Sozialleistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag. Die Studie widerspricht damit der Behauptung, Bürgergeld sei so hoch, dass sich Arbeit nicht lohne, und verweist stattdessen auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum als zentrales Problem. (siehe auch Sperre Artikel, Seite 14f. der Winterausgabe 2025)
Höhere Verdienstgrenze für Minijobs
Mit dem steigenden Mindestlohn wächst auch die monatliche Verdienstgrenze für Minijobber. Sie liegt ab 2026 bei 603 Euro statt bisher 556 Euro. Damit soll verhindert werden, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit reduzieren müssen, um unter der Minijob-Grenze zu bleiben. Weiterhin sind rund zehn Arbeitsstunden pro Woche möglich.
Azubis erhalten höhere Mindestvergütungen
Für Auszubildende steigen 2026 die gesetzlichen Mindestvergütungen deutlich. Neue Ausbildungsverhältnisse beginnen mit mindestens 724 Euro monatlich im ersten Lehrjahr. In den folgenden Jahren erhöht sich die Vergütung stufenweise. Ziel ist es, die Attraktivität der dualen Ausbildung zu stärken. Tarifverträge haben jedoch weiterhin Vorrang – auch wenn sie niedrigere Beträge vorsehen.
Bürgergeld wird durch strengere Grundsicherung ersetzt
Das Bürgergeld soll 2026 abgeschafft und durch eine neu ausgestaltete Grundsicherung ersetzt werden. Neben der Umbenennung sind strengere Regeln vorgesehen, etwa härtere Sanktionen bei Pflichtverletzungen oder versäumten Terminen. Auch das Schonvermögen wird begrenzt und altersabhängig gestaltet. Die Reform betrifft rund 5,5 Millionen Leistungsbeziehende und soll stärker auf Arbeitsaufnahme ausgerichtet sein.
Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung startet
Ab August 2026 haben Erstklässler einen gesetzlichen Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Der Ausbau erfolgt schrittweise, sodass bis zum Schuljahr 2029/30 alle Grundschulkinder einbezogen werden sollen. Die Bundesregierung will damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern und dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
Mehr Transparenz bei Gehältern
Deutschland setzt 2026 die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz um. Arbeitgeber müssen künftig bereits in Stellenanzeigen oder spätestens vor dem Bewerbungsgespräch Gehaltsspannen nennen. Beschäftigte erhalten zudem ein erweitertes Auskunftsrecht über durchschnittliche Vergütungen. Ziel ist es, Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern zu fördern.
Familie & Steuern
Kindergeld und Freibeträge steigen
Das Kindergeld erhöht sich auf 259 Euro pro Kind und Monat. Gleichzeitig steigt der Kinderfreibetrag auf 9.756 Euro. Das Finanzamt prüft automatisch, welche Variante für Eltern günstiger ist. Besonders Haushalte mit höherem Einkommen profitieren oft stärker vom Freibetrag.
Bildung und Teilhabe
Kinder und Jugendliche aus Haushalten mit Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Sozialhilfe können über das Bildungs- und Teilhabepaket monatlich 15 Euro für Sport-, Freizeit- oder Kulturangebote erhalten. Die Mittel können angespart oder auch für zukünftige Zeiträume genutzt werden, etwa für Ferienfreizeiten oder Schwimmkurse. So lassen sich bis zu 180 Euro pro Jahr ausschöpfen – bereits ab Geburt des Kindes. Anträge sind beim Jobcenter, der Familienkasse oder dem Sozialamt möglich.
Grundfreibetrag und Steuertarif angepasst
Der steuerliche Grundfreibetrag steigt 2026 auf 12.348 Euro. Erst darüber hinaus fällt Einkommensteuer an. Auch die Einkommensgrenzen für den Spitzensteuersatz werden angehoben, der Steuersatz selbst bleibt bei 42 Prozent.
Pfändungsfreigrenzen werden erhöht
Zum 1. Juli 2026 steigen die gesetzlichen Pfändungsfreigrenzen. Sie sichern verschuldeten Personen ein höheres Existenzminimum und berücksichtigen Unterhaltspflichten stärker. Die Anpassung erfolgt künftig jährlich.
Rente & Altersvorsorge
Renten steigen voraussichtlich deutlich
Zum 1. Juli 2026 ist eine Rentenerhöhung von rund 3,7 Prozent vorgesehen. Die endgültige Höhe hängt von Lohnentwicklung und Konjunktur ab und wird erst im Frühjahr festgelegt.
Aktivrente erleichtert Weiterarbeiten im Alter
Wer über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitet, darf ab 2026 bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Die Regelung soll Anreize schaffen, länger im Berufsleben zu bleiben.
Neue Altersvorsorge-Modelle geplant
Die Riester-Rente soll durch ein einfacheres, kostengünstiges Vorsorgedepot ersetzt werden. Zusätzlich ist die sogenannte Frühstart-Rente für Kinder geplant, bei der der Staat monatlich zehn Euro einzahlt. Die Einführung ist politisch noch nicht abgeschlossen.
Verkehr & Mobilität
Deutschlandticket kostet künftig 63 Euro
Das bundesweite ÖPNV-Ticket wird erneut teurer. Ab Januar 2026 steigt der Preis auf 63 Euro monatlich. Ursache sind ungelöste Finanzierungsfragen zwischen Bund und Ländern.
Pendler werden steuerlich stärker entlastet
Die Pendlerpauschale steigt ab dem ersten Kilometer auf 38 Cent – unabhängig vom Verkehrsmittel. Damit werden auch Fahrrad- und Bahnpendler stärker berücksichtigt.
CO₂-Preis verteuert Tanken
Der CO₂-Preis wird ab 2026 über Zertifikate bestimmt und kann bis zu 65 Euro pro Tonne betragen. Das kann Benzin und Diesel um mehrere Cent pro Liter verteuern.
Neue Regeln bei Kfz-Steuer und Versicherungen
Die Kfz-Steuer muss künftig jährlich vollständig im Voraus gezahlt werden. Gleichzeitig ändern sich die Typklassen bei Kfz-Versicherungen – für viele wird es teurer, für einige günstiger.
Energie & Wohnen
Heizen mit Öl und Gas wird teurer
Der steigende CO₂-Preis wirkt sich auch auf Heizkosten aus. Gaspreise könnten um bis zu 1,55 Cent pro Kilowattstunde steigen, Heizöl um über 20 Cent pro Liter.
Wegfall der Gasspeicherumlage entlastet Haushalte
Zum Jahresbeginn 2026 entfällt die Gasspeicherumlage. Laut Bundesregierung werden Verbraucher dadurch um rund eine Milliarde Euro entlastet, was auch Strompreise senken könnte.
Gesundheit & Pflege
Strengere Trinkwasserregeln treten in Kraft
Neue Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser gelten ab Januar 2026. Zudem müssen alte Bleileitungen ausgetauscht oder stillgelegt werden.
Krankenkassenbeiträge steigen
Viele Privatversicherte zahlen deutlich höhere Beiträge. Auch gesetzliche Krankenkassen erhöhen teils ihre Zusatzbeiträge – trotz politischer Empfehlungen zur Zurückhaltung.
Mehr Leistungen für Familien und Pflegebedürftige
Der erweiterte Kinderkrankengeldanspruch wird verlängert. Pflegekassen erhalten längere Entscheidungsfristen, Pflegefachkräfte dürfen mehr Aufgaben eigenständig übernehmen.
Verbot von Lachgas-Verkauf an Jugendliche
Lachgas und bestimmte gefährliche Chemikalien dürfen nicht mehr an Minderjährige verkauft werden. Ziel ist der Schutz von Jugendlichen vor gesundheitlichen Risiken.
Lungenkrebs-Früherkennung
Voraussichtlich ab April diesen Jahres sollen starke Raucher*innen (aktive und ehemalige) im Alter von 50 bis 75 Jahren eine Niedrigdosis-CT-Untersuchung zur Früherkennung von Lungenkrebs als kostenlose Kassenleistung in Anspruch nehmen können.
