Arbeit und Soziales

Katholisch Kreuz & Queer

Die „Gut.Katholisch.Queer“ – Ausstellung im Franz-Hitze-Haus

Von Jan Rinke

In einer Fotoausstellung zu einem Arbeitskampf vermutet man nicht überwiegend sensibel einfühlsame Aufnahmen der Beteiligten. Die Ausstellung „GUT.KATHOLISCH.QUEER“ zeigte bis zum 10.8. genau solche Fotos in der katholisch-sozialen Akademie Franz-Hitze-Haus des Bistums Münster.

Prof. Dr. Anne Koch, 51 Jahre, lesbisch, Professorin für Religionswissenschaften, Freiburg

Es war eine Ausstellung mit Portraitfotos des Fotografen Martin Niekämper von Teilnehmenden der Aktion #OutInChurch, in der sich vor drei Jahren deutschlandweit 125 Beschäftigte der katholischen Kirche als queer outeten. Damit wagten sie einen Befreiungsschlag, der es auch in die 20-Uhr-ARD-Tagesschau schaffte. Diese Aktion, die alle Akteure auch den Arbeitsplatz hätte kosten können, war ein solidarischer Befreiungsschlag, der die perfide Praxis kirchlichen Arbeitsrechts durchkreuzte. Die Öffentlichkeit der Aktion machte es zudem den durch die Missbrauchsskandale ohnehin schon unglaubwürdigen kirchlichen Institutionen unmöglich, das arbeitsrechtliche Druckmittel skandalfrei anzuwenden. Was schließlich auch zur Änderung kirchlichen Arbeitsrechts führte.

Christoph Simonsen, 67 Jahre, schwul, katholischer Priester, Mönchengladbach

Die schon an mehreren Orten gezeigte Ausstellung zeigt Teilnehmende der Aktion in ihren Kirchenräumen. Sorgfältig inszeniert wurde dies in Lichtsetzung und Perspektive, dem Verhältnis der Portraitierten zum Raum und dessen Ausstattung. Einerseits kam die eigene Verlorenheit zum Ausdruck ebenso wie die Selbstbehauptung. Der Fotograf Martin Niekämper führte intensive Vorgespräche mit Portraitierten und es gelang ihm dabei, die Persönlichkeiten der Portraitierten den Betrachtenden auch in ihren Verletzlichkeiten nahezubringen, ohne sie jemals zu entblößen.

Während des Ausstellungszeitraums fand im Franz-Hitze-Haus auch das Symposium zu Ehren des wegen seiner Queer-Feindlichkeit umstrittenen US-amerikanischen Bischofs Robert Barron statt. Ihm wurde in der Akademie der Josef-Pieper-Preis verliehen. Damit ergab sich mit den in der Tagungsetage verteilten Fotografien ein subtiler kritischer Rahmen zum Barron Symposium.

Die hohe Qualität der Fotoportraits hätte eine für Kunstausstellungen typisch inszenierte Betrachtungsanordnung verdient. Wobei die gewählte Verteilung in den Flurzonen für Veranstaltungsbesucher eine Art queeres Hintergrundrauschen erzeugte. Dies in einer Zeit, in der die Thematisierung queerer Themen wieder stark politisiert ist, auch und gerade vor dem Hintergrund rechtsgerichteter Politik, welche Kulturkämpfe anzettelt. Das Franz-Hitze-Haus, dessen Direktor Johannes Sabel den politischen Anspruch deutlich benannte, verdient Respekt, gerade auch für die Terminüberschneidung mit dem Barron-Symposium.

Marie Kortenbusch, 64 Jahre, lesbisch, verheiratet mit Monika Schmelter, 67 Jahre, lesbisch, Theologinnen, Lüdinghausen