Rund um Münster

VVN-BdA zu Kriegerdenkmälern: Jährlicher Skulpturen-Wettbewerb gefordert

Münster wirbt für sich als Friedensstadt in Gedenken an den Westfälischen Friedenschluss 1648, der den 30-jährigen Krieg beendete. Ein Friedensdenkmal gab es auch einmal, ist jedoch vor Jahren abgerissen worden. Die Plattform, das Fundament wo dieses Mahnmal gestanden hat, den Ort gibt es noch, gut sichtbar auf dem Kanonengraben, Teil des städtischen Grüngürtels, der Promenade. Übrigens in Sichtweite des sogenannten Kürrasierdenkmals. Doch das ist nur eines der zahlreichen Kriegerdenkmäler, die es im Stadtbild Münsters gibt.

„Eine künstlerisch-inhaltliche Gegenkultur der „Friedensstadt“ Münster ist die logische Schlussfolgerung“

Die Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes / Bund der Antifaschist*innen (Kreisvereinigung Münster), kurz VVN-BdA Münster fordert nun einen jährlichen Skulpturen-Wettbewerb, um die auffallend vielen Kriegsdenkmäler in der Stadt nicht unkommentiert zu lassen und um einen künstlerischen Kontrapunkt dazu zu setzen. Sie schreibt:

„Eine künstlerisch-inhaltliche Gegenkultur der „Friedensstadt“ Münster ist die logische Schlussfolgerung. Die VVN-BdA fordert die Stadt auf, einen jährlichen Wettbewerb mit Gegenskulpturen zu den problematischsten Kriegerdenkmälern auszurichten. Diese Skulpturen sollen Demokratie, Frieden und Menschenrechte dem alten Militarismus entgegen setzen.
Sie müssten so gestaltet sein, dass sie in Größe und Dimension einen ausgeprägten Kontrapunkt darstellen.
Gleichzeitig sollen Kurz-Informationen auf einem Schild die Geschichte des ursprünglichen Denkmals und die Kritik an diesem verdeutlichen. Mit QR-Codes können ausführliche Informationen dazu im Internet bereitgestellt werden.“

Train-Denkmal: Gedacht wird aber nicht dem Völkermord an den einheimischen Herero und Nama…

Die VVN-BdA verweist auf das Train-Denkmal, Nähe Ludgeriplatz. (Anm.: train, heute engl. Zug, ursprünglich ein militärischer Logistikbegriff für Transport und Nachschub). Dieses Denkmal erinnert an die deutsche Kolonialgeschichte in Afrika. Gedacht wird aber nicht dem Völkermord an den einheimischen Herero und Nama im heutigen Namibia, sondern den ums Leben gekommenen deutschen Tätern! Und dies noch nicht einmal allgemein als Soldaten, sondern als Helden!

Jan Große Nobis, Redakteur bei der SPERRE, hat sich im Jahr 2014 mit Münsters Denkmälern in einer Ausstellung und einem Ausstellungskatalog kritisch auseinandergesetzt. Seine Website zum Projekt ist hier zu finden: http://www.between-war-and-peace-muenster.de/. Foto: Jan Große Nobis.

Dreizehner-Denkmal: „Mit dem Leitspruch ‚Treue um Treue‘ steht das Denkmal in der Tradition des deutschen Faschismus“

Ebenso ist das Dreizehner-Denkmal in der Nähe des innerstädtischen Aasee-Ufers ein Gedenkort, wo ausdrücklich der soldatische Heldentod (ein genuiner Begriff faschistischer Ideologie) heroisiert wird. Dieser monumentale Gedenkort, siehe Foto, ist vormals nach dem ersten Weltkrieg errichtet worden, um dem 13. Freiwilligen- und Landwehrregiment zu gedenken. Dieses ist traditionell in Münster stationiert gewesen. Wichtig: Denkmalschutz umfasst einen sensiblen Umgang mit gestalterischer Veränderung. Das hinderte den Ehemaligenverbänden aber nicht daran, nach dem zweiten Weltkrieg, in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, Ergänzungen am Dreizehner Denkmal vorzunehmen (Neue Inschriften wurden eingraviert. Die VVN-BdA dazu: „Mit dem Leitspruch ‚Treue um Treue‘ steht das Denkmal in der Tradition des deutschen Faschismus“).

Das geschah damals mit dem Wohlwollen der münsterschen Stadtoberen. Das hat sich gottlob geändert. Und inzwischen gibt es auch wieder einen Ort, wo zumindest an den westfälischen Frieden von 1648 künstlerisch erinnert wird. Gemeint ist die Skulptur „Toleranz durch Dialog“ von Eduardo Chillida im Rathausinnenhof.

Heute habe sich nun ein breiter Konsens in der Stadtpolitik entwickelt, begrüßt auch die VVN-BdA Münster

Heute habe sich nun ein breiter Konsens in der Stadtpolitik entwickelt, begrüßt auch die VVN-BdA Münster, dass die Kriegerdenkmäler kritisch eingeordnet werden sollen, sei es durch beigestellte Schildhinweise, sei es durch Anregungen, die Gedenkorte öffentlich zu diskutieren oder z.B. auch durch Stadtführungen, die das Stadtarchiv anbietet. Schließlich seien diese Denkmäler „zumeist revanchistisch und kriegsverherrlichend“ und bedürfen einer Kommentierung. Die VVN-BdA sei deshalb der Auffassung, dass die Denkmäler nicht nur mit Info-Schildern in den historischen Kontext gestellt werden sollten. Die Kommentierungen müssen aber entsprechend gewichtet werden.

Deshalb sind auch der Appell und die Initiative der VVN-BdA Münster ausdrücklich zu begrüßen. Auf dass sie auf offene, von Kanonendonner unverletzte Ohren und gesunde „Trommelfelder“ stossen mögen.

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Christoph Theligmann

Redakteur bei der Sperre
Redakteur des Magazin Sperre sowie dem Online-Portal des Magazins
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