aus dem Magazin

TFF RUDOLSTADT 2015

Dem wieder modern gewordenem Politikstil – Abgrenzen, Ausgrenzen, neuer Nationalismus – setzt es sich mit frischer Energie entgegen, das alljährliche Weltmusikfestival in Rudolstadt. Weltmusik verbindet verschiedene Volksmusiken miteinander, mit modernen Entwicklungen von Jazz, Rock, HipHop, Punk, Klassik. Rudolstadt, das Städtchen an der Saale im Osten Thüringens, nimmt am ersten Juli-Wochenende alle diese Stile aus aller Herren Länder in sich auf. 70 000 Besucher hören 100 Bands oder Einzelkünstler auf 20 Bühnen, in den schmalen Straßen und auf dem Markt der Stadt, im Schlosshof und den Pavillons der Heidecksburg oberhalb der Stadt und unten an der Saale im Heinepark.

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Foto: ©FotoHiero ©www.pixelio.de

Rückblick: Es beeindruckte 2014 erneut, wie viele moderne Gruppen ihren Folk mit Rock, mit Punk, mit Jazz zu sehr energiegeladenen Auftritten verbinden, beispielsweise Iva Nova aus St. Petersburg mit ihren russischen, ukrainischen, georgischen oder tatarischen Liedern. Kali Mutsa vermischt Latino mit Gipsy und indischen Elementen. Mit eben soviel, aber einer davon ganz verschiedenen Art von Feuer spielten Parno Graszt ihre traditionelle ungarische Zigeunermusik. Offene Ohren fanden wie gehabt die irischen Folk-Rocker von der Blue Oyster-Band, dieses mal aber als ruhige Begleitung der Balladensängerin June Tabor.

Eine andere Energie brachte Samstagnachts um ein Uhr Mercan Dede auf die große Bühne: tanzende Derwische und Breakdance nach seiner elektronischen Version von Sufi-Musik. Der anfangs aus dem Programmheft zusammengestellte Plan bleibt bei so vielen Angeboten oft ein hilfloser Versuch. Aber nicht grämen, das geht anderen auch so. Die Zuhörer bleiben hängen bei unerwarteten Klängen und Rhythmen, oder sie gehen zum Zelt zurück, weil sie erfüllt sind von dem Eindruck der letzten Gruppe. Eine Kleinstbühne in einem Garten bietet persönliche Ansprache durch den Künstler oder Ruhe und Erholung, wenn eigentlich der nächste Programmpunkt an einer großen Bühne dran gewesen wäre. Bei dieser Vielfalt war es 2014 sogar möglich Rainald Grebe oder Judith Holofernes zu verpassen.

Für dieses Jahr, 2015, stehen die ersten Gruppen und Künstler schon fest. Zum Beispiel: auf bayerisch grantelt Gerhard Polt. Funny van Dannen bringt seine feinen Lieder. Elektroswing kommt mit Caravan Palace aus Frankreich. Eine Wiederentdeckung sind die Les Ambassadeurs aus Mali, die in den 70er und 80ern ihre Volksmusik mit Jazz, Folk, Rock und Salsa verbanden. Man fühlt sich wieder eingeladen.

Arnold Voskamp (Redaktion Sperre Print)

 

Arnold Voskamp
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