Zum Leben zu wenig

Tarifvertag für Jobcentermitarbeiter

Seit der Arbeitsmarktreform vor zehn Jahren gibt es Jobcenter. Sie sind Anlaufstellen von Bedürftigen, die keine Arbeit haben und zum Überleben Arbeit suchen. Hier soll Ihnen geholfen werden, hier werden sie aber auch angehalten, Dinge zu tun und auszuhalten, die ein normaler Mensch kaum aushalten kann, wenn sie dann ohne Erwerbsarbeit finanziell unterstützt werden.
Die Jobcenter sind die Schnittstellen, die qualifizierte und gut ausgebildete Mitarbeiter benötigt. Doch die Realität sieht auch nach zehn Jahren ganz anders aus, von Anlaufschwierigkeiten kann keine Rede sein.

Foto: ©Thommy Weiss ©www.pixelio.de
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Jetzt kommt Kritik von interner Seite. Heinrich Alt, Vorstandsmitglied bei der Bundesagentur für Arbeit (BA), spricht von einer Misere und will mit den unhaltbaren Zuständen endlich Schluss machen.
Das Amt beklagt ständige Personalwechsel, die Fluktuation erreicht Jahr für Jahr 20 Prozent. Ein eigenes Personal kennt diese Behörde nicht, viele Mitarbeiter sind von der Telekom, der Bahn, der Post zugewiesen worden, von Unternehmen, in denen der staatliche Einfluss immer noch immens ist. Die insgesamt 60.000 Mitarbeiter arbeiten für ganz unterschiedliche Arbeitgeber, mit der Folge, dass die Gehaltsunterschiede teilweise sehr groß sind. Eine vernünftige Personalplanung ist unter diesen Umständen gar nicht möglich. Dabei gehört die Arbeit in den Jobcentern im Grunde zu den ambitioniertesten Tätigkeiten, die der Sozialstaat verlangt. Als ersten Schritt zur Besserung fordert Alt jetzt immerhin einen einheitlichen Tarifvertrag.

Christoph Theligmann
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