Rund um Münster

Soli-Kundgebung nach Räumung der „Zentrale Münster“

Am Abend nach der Räumung der „Zentrale“ trafen sich knapp 100 Sympathisanten vor dem ehemals besetzen Haus zu einer Kundgebung: Neben der antifaschistischen Gruppe „eklat“ redeten der Studierendenverband der Linkspartei „SDS Münster“, Hannes Draeger (Linkspartei) und Stephan Orth (Grüne).

Alle Redner*innen bezeugten ihre Solidarität mit den Besetzer*innen. Es müsse die Gentrifizierung im Viertel aufgehalten und die gewachsene Struktur erhalten werden.

Knapp 100 Teilnehmer*innen bei der Kundgebung. Foto: Jan Große Nobis.

Hannes Draeger: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“

Hannes Draeger führte aus: „Heute twitterte Stefan Leschniok, ordnungspolitischer Sprecher der CDU, folgendes: ‚Wieder einmal setzen sich die Aktivisten der linken Szene in arroganter Art und Weise über das Recht hinweg. Als ordnungspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion begrüße ich die inzwischen beendete Räumung der Deutschen Bahn‘. Liebe Freundinnen und Freunde, ich bin der Meinung, dass Stefan Leschniok doch einmal bei Bertold Brecht nachlesen sollte, der einmal gesagt hatte: ‚ Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht‘! Und die Besetzerinnen und Besetzer haben den Finger in die Wunde gelegt: Seit Jahren treiben Spekulanten und Investoren ihr Unwesen hier im Hansaviertel. Ein ganzes Stadtviertel soll nach den Wünschen der Reichen umgestaltet werden und das gegen den Widerstand der Anwohnerinnen und Anwohner!“ Als eindrücklichstes Beispiel nennt Hannes Draeger das Hafencenter. 77 Prozent der Münsteraner*innen hätten das Projekt abgelehnt und sich dafür preiswerten Wohnraum gewünscht. Die Mieten würden steigen und die ärmeren Menschen und die freie Kultur aus dem Viertel verdrängt.

Deshalb sagt Hannes Draeger: „Herr Leschniok von der CDU tut so, als hätte er mit diesem Prozess überhaupt nichts zu tun. Dabei war es die CDU und mit ihr die wechselnden Koalitionspartner, die sich diesen Maßnahmen nicht entgegen gestellt haben, sondern im Gegenteil den Prozess noch beschleunigt haben! Dass sich nun Herr Leschniok hinstellt und die Besetzerinnen und Besetzer des Hauses attackiert ist eine Schande!“

Zum Abschluss wünscht sich Hannes Draeger, das der Kampf für das Viertel weiter geht und ruft: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“

Die Partei „Die Partei“ hatte auch Plakate mitgebracht. Foto: Jan Große Nobis.

Stephan Orth: „Das ist der pauschale Versuch, Euch und Euer Anliegen, zu diskreditieren“

Auch Stephan Orth von den Grünen solidarisiert sich mit den Besetzer*innen und fordert für diese Straffreiheit. Er freut sich darüber, dass zur Kundgebung viele engagierte junge Menschen gekommen sind, die sich für ihre legitimen Ziele und das Viertel einsetzen wollen. Er sieht die Besetzung als legitim an, da das Gebäude vor der Besetzung „leerstehend und unbenutzt“ war und kein privates „Wohnzimmer“.

Er beschreibt die Situation so: „Wenn man mit den Menschen in das Gespräch gekommen ist, sowohl mit den Besetzer*innen, als auch den Menschen, die sich an einem Abend getroffen hatten, um die Bürgerinitiative „Bahnhofstadt Süd“ zu gründen, dann haben wir gehört, hier ist die Sorge, dass die Bandproberäume weggehen müssen, hier ist die Sorge, dass die Szene verdrängt wird, hier ist die Sorge, dass soziale Träger*innen verdrängt werden, dass überall nur Hotels gebaut werden, dass das Viertel schlecht gemacht wird – es wird als hässlich bezeichnet!“

Stephan Orth fragt sich deshalb: „Sieht denn dieses Schlaun-Forum die Vielfalt in Münster? Und wenn man über Vielfalt spricht, dann ist das nicht nur der Prinzipalmarkt, dann sind das nicht nur Neubauten, sondern dann ist es auch das, was hier seit Jahren gewachsen ist!“

Dass die Besetzer*innen als irgendwelche Spinner, die Krach machen, abgetan werden, kritisiert Stephan Orth: „Das ist der pauschale Versuch, Euch und Euer Anliegen, zu diskreditieren. Und das unterstützen wir nicht!“ Er dagegen sieht die Anliegen der Besetzer*innen als sehr konstruktiv an.

Es könne nicht sein, „dass irgendwelche Städteplaner, ob jetzt städtisch oder von irgendeinem Wettbewerb kommend, sagen ‚Wir pushen jetzt irgendwas über das bestehende, wir reden nicht mit denen, die da sind‘. Nein, das ist keine Wertschätzung für das Engagement, das ist keine Wertschätzung für demokratische Beteiligung, und das ist keine Wertschätzung für die Bürgerschaft!“

Er bedankt sich bei den Besetzer*innen, die „der Stadt vielleicht auch mal ein bisschen Feuer unter dem Arsch gemacht haben“! Die Grünen, als Kreisvorstand und hoffentlich auch als Fraktion, würden weiterhin „das Gespräch“ und „gemeinsame Lösungen“ mit den Bewohner*innen des Viertels suchen wollen.

Die Partei: „…und jede*r könne in jedes Haus herein- und herausspazieren, wie er*sie wolle.“

Der Vertreter von Die Partei, empfahl, nachdem ein Kind ihm die Schau gestohlen hatte (er empfahl Applaus ob dieser Störung), würden die Menschen es so machen wie die Kinder, würde die Welt besser sein und jede*r könne in jedes Haus herein- und herausspazieren, wie er*sie wolle. Wäre doch toll!

DGB Münster: Inhaltliche Auseinandersetzung statt Strafe

Der DGB Münster hat sich inzwischen in einer Stellungnahme auch mit der Besetzung solidarisiert und protestiert gegen die Kriminalisierung der Hausbesetzer*innen des Hauses am Alten Güterbahnhof. „Wer sich die Geschichte der Hausbesetzungen in Münster vor Augen führt, muss anerkennen, dass die Besetzungen der Grevener Straße 31 und der Frauenstraße 24 erfolgreich waren. Preiswerter Wohnraum konnte dauerhaft gesichert werden und die Kulturkneipe F24 existiert bis heute. Bundesweit sind aus Hausbesetzungen Jungendzentren, Wohnprojekte, sowie Kulturräume entstanden, die bis heute existieren“, so DGB-Stadtverbandsvorstand Carsten Peters. Und weiter: „Wir wollen, dass die Besetzer*innen straffrei bleiben. Die Besetzer*innen haben zurecht auf Probleme der Stadtentwicklung aufmerksam gemacht: Steigende Mieten, der Verlust von Freiräumen und Verdrängungseffekte von Menschen mit geringem Einkommen. Politik und Verwaltung sind gefordert und müssen von Investoren mehr für das Gemeinwohl abfordern.“

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