Rund um Münster

Nach Abschiebung: Obdachlos in Madrid

Am Mittwochabend, den 3. Juli 2019 fand in Roxel eine Mahnwache mit ca. 120 Teilnehmer*innen statt. Sie hatten sich auf dem Pantaleonsplatz getroffen, um gegen die Abschiebung einer iranischen Familie aus Roxel nach Spanien am Morgen desselben Tages zu protestieren. Darunter waren viele Eltern der Roxeler Marienschule und Mitschüler*innen der abgeschobenen Kinder. Die Transparente bezeugten die Fassungslosigkeit und Bestürzung der Eltern und Mitschüler*innen über die Abschiebung zum Ausdruck gebracht.

Eines der traurigen Transparente: „Münster schiebt kranke Kinder ab“. Foto: Unterstützer*innenkreis.

Ein Vertreter der Schulpflegschaft stellte den Hintergrund der Familie dar und sagte: „Ich bin erschüttert. Wie kann es sein, dass die Familie trotz stichhaltiger medizinischer Atteste und der festen Verankerung der Kinder in der Marienschule abgeschoben wurde? Wie kann es sein, dass man die Familie für 8:00 Uhr zu einem Termin einbestellt zur Klärung des weiteren Vorgehens und eine Stunde vorher bereits die Abschiebung durchgeführt wird? Das ist nicht mein Münster.“

Abgeschoben in die Obdachlosigkeit. Foto: privat.

Der Unterstützer*innenkreis berichtet, dass er nach wie vor im Kontakt mit der Familie steht. Die Familie habe in Madrid bisher keine Unterkunft bekommen. Nun sei sie obdachlos. Die letzte Nacht hätten sie auf der Straße verbringen müssen. „Die Kinder sind völlig am Ende und können einfach nicht verstehen was passiert ist“, so der Schulpflegschaftsvertreter.

Kundgebung aus traurigem Anlass. Foto: Unterstützer*innenkreis.

Auch Pfarrer Tiemo Weissenberg brachte stellvertretend für die Kirchengemeinde sein Entsetzen über das Vorgehen der Behörden zum Ausdruck: „Es ist wichtig, dass wir in Gedanken jetzt bei der Familie sind.“ Benedikt Kern vom Bündnis gegen Abschiebungen erklärte: „Die Abschiebung dieser Familie sowie der Fall eines Mannes in der vergangenen Woche, der über einen Ausbildungsvertrag ab dem 1. August verfügte und dennoch von seiner alleinerziehenden Lebensgefährtin hier getrennt und nach Serbien abgeschoben wurde, zeigen: Es herrscht ein neuer Wind in der Münsteraner Ausländerbehörde. Humanitäre Spielräume werden offensichtlich nicht mehr ausgenutzt. Das ist die Folge der Asylrechtsverschärfungen der letzten Jahre. Deswegen ist es umso wichtiger, dass es eine solidarische Zivilgesellschaft gibt, wie hier in Roxel, die öffentlich Druck ausübt – nur so können Menschenrechte durchgesetzt werden.“

Die Flüchtlingshilfe Roxel, die Schulpflegschaft der Marienschule, die katholische Kirchengemeinde und das Bündnis gegen Abschiebungen hatten zu der Mahnwache eingeladen.

Siehe auch:

Abschiebung: Trotz Ausbildungsplatz und neuer Familie

Heute Mahnwache: Abschiebung trotz Attest

Bleiberecht für iranische Familie aus Roxel gefordert

image_printdrucken