Rund um Münster

Münster ist bereit zur Aufnahme von drei minderjährigen Flüchtlingen von der „Sea-Watch 3“

Die Seebrücke Münster feiert es als ihren Erfolg: „Erster Schritt in Richtung Sicherer Hafen ist gemacht“

Im Stadtrat wurde der Antrag der Seebrücke Münster, Münster zu einem sicheren Hafen für im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge zu machen, bisher zweimal mit der schwarz-grünen Mehrheit abgeschmettert. Nun erklärt Oberbürgermeister Markus Lewe, Münster sei bereit, drei minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen. Er habe einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben, in dem er die Bereitschaft der Stadt Münster dazu erklärt hat: „Die Lage auf dem Schiff ist extrem angespannt und verschlechtert sich von Tag zu Tag. Aus christlichen und humanitären Gründen rege ich an, dass Deutschland hier Nothilfe leistet, um das Leiden insbesondere der drei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge schnellstmöglich zu beenden“, so OB Lewe. Zuvor hatten schon 50 deutsche Städte ihre Bereitschaft, die Menschen aufzunehmen, erklärt.

Giebel des Historischen Rathauses zu Münster. Foto: Jan Große Nobis/Sperre

Derzeit irren seit über einer Woche 43 im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge auf der Sea-Watch 3 über das Mittelmeer. Bisher hat sich Europa – auch Deutschland – nicht bereit erklärt, diese aufzunehmen. Italien verweigert der Sea-Watch 3 den Zugang zu den italienischen Hoheitsgewässern und einem sicheren Hafen. Bisher hat Italien nur zehn geretteten Flüchtlingen aus medizinischen Gründen die Aufnahme gewährt.

Die Seebrücke Münster schreibt dazu:

„Münster bewegt sich endlich!

Erster Schritt in Richtung Sicherer Hafen ist gemacht

Wie wir gerade erfahren haben, hat der Münsteraner Oberbürgermeister Lewe heute ein Schreiben an die Bundeskanzlerin Merkel versandt, in dem er Münsters Bereitschaft zur Aufnahme der drei unbegleiteten Minderjährigen, die sich gemeinsam mit noch 40 anderen aus Seenot geretteten Menschen seit über einer Woche auf der Sea-Watch 3 befinden, ankündigt. Wir freuen uns sehr über diese für uns doch sehr überraschende Initiative und darüber, dass unser Engagement Früchte trägt. Die Aufnahme dieser besonders schutzbedürftigen Menschen ist ein erster wichtiger Schritt.

Wir hoffen, dass Herr Lewe sich nun auch auf das bisher verweigerte Gespräch mit uns einlassen wird, der Erklärung Taten folgen lässt und Münster sich darüber hinaus auch weiterhin dafür einsetzt, aus Seenot gerettete Menschen und weitere Geflüchtete aufzunehmen.“

Update 22.06.:

Fraktionsvorsitzender der SPD Ratsfraktion meldet sich zu Wort:

Der Oberbürgermeister von Münster hat der Bundeskanzlerin geschrieben, unsere Stadt nehme freiwillig drei minderjährige, aus Seenot gerettete Geflüchtete auf. Das ist ein sehr richtiger und guter Schritt. In den letzten Wochen haben Oberbürgermeister und CDU und Grüne im Rat mehrfach genau das abgelehnt, jetzt also die Kehrtwende. Was in der Sache gut ist, macht zugleich auch deutlich: Oberbürgermeister Markus Lewe hat zu dieser wichtigen humanitären Frage ein ausschließlich wahltaktisches Verhältnis. Solange die AfD wie eine Bedrohung schien (vor der Europawahl), sollten keine Geflüchteten kommen. Jetzt, da die Grünen die CDU-Vorherrschaft bedrohen, nun das glatte Gegenteil. Wir brauchen in der Geflüchtetenpolitik Haltung und Charakter und kein Fähnchen im Wind, je nachdem, woher der Stimmungswind gerade bläst.

Und Sea-Watch mit einem dringenden Appell:

Siehe auch: https://sea-watch.org/

Jan Große Nobis
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