Rund um Münster

Münster: Hausbesetzung zwischen den Gleisen

Gegen Gentrifizierung und für kreative Freiräume: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag gegen Mitternacht (18./19. Juli 2019) haben junge Menschen ein leerstehendes Gebäude zwischen den Gleisen an der Hafenstraße (auf dem Gelände des alten Stückgutbahnhofs) besetzt. Vor der Besetzung war dort ein Laden für Skater-Bedarf, dem die Deutsche Bahn jüngst unvermittelt gekündigt hatte.

Transparent „Soziale Zentren erkämpfen“ an der besetzten „Zentrale“. Foto: Jan Große Nobis.

Wie wir am Freitag erfahren haben, wurden die Besetzer*innen zwar von der Bahn-Security und der Polizei besucht. Zu einer Räumung der Besetzung kam es aber nicht. Denn: Die Bahn konnte die Besitzverhältnisse am Freitag nicht mehr klären. Es war wohl unklar, ob das Gebäude untervermietet ist, oder nicht? Wäre es untervermietet, wären nur die Mieter*innen berechtigt gewesen, eine Räumung zu beantragen.

Die jungen Menschen wollen sich gegen die wachsende Gentrifizierung und für freie Kultur einsetzen. So soll, solange die Besetzung besteht, dort ein soziales Zentrum für die Menschen aus dem Hafenviertel und dem Bereich der Friedrich-Ebert-Straße entstehen.

Sie kritisieren, dass vom Schlaun-Forum ein Wettbewerb ausgerufen wurde, der den Albersloher Weg im Bahnbereich immens ausbauen soll (Das Schlaun-Forum lobt seit 2011 jährlich einen Städtebau-Wettbewerb für junge Architekt*innen und Städtebauer*innen in NRW aus). Der Wettbewerb sieht vor, dass der Albersloher Weg gradlinig vom Cineplex zum Busbahnhof durchgezogen wird. Dafür würden die gewachsenen Strukturen des Viertels „zerstört“. Die jungen Besetzer*innen befürchten, dass dieser Wettbewerb Anstoß für die Stadt sein werde, der Gentrifizierung im Viertel weiter Vorschub zu leisten.

Neben dem klimaschädlichen Ausbau des Albersloher Weges kritisieren sie, dass der Busterminal mit Jugendzentrum Gleis 22, das Areal an der Dammstraße mit dem Chance e. V., der sich für die Integration von Haftentlassenen kümmert, vielleicht sogar das Haus der Wohnungslosenhilfe an der kleinen Bahnhofstraße und die Häuser an der Hafenstraße zwischen Bahntunnel und kleiner Friedrich-Ebert-Straße damit in Gefahr sind. Ebenso würde das Kunstprojekt Sozialpalast, viele Proberäume und eben das Gebäude in der Hafenstraße 70, das sie besetzt haben, den Planungen zum Opfer fallen. In die Planungen des Wettbewerbs sind auch nicht die Bewohner*innen des Viertels eingebunden, so die Kritik der jungen Menschen. Die bisherigen Planungen und auch der Wettbewerb würden sich nicht am „Bedarf der Menschen orientieren“.

Das Hafenviertel sei schon jetzt mit dem Hafencenter einer großen Belastung ausgesetzt – falls es denn noch gebaut würde. Das Viertel habe jetzt schon zu viel Büroflächen, Discounter und Verkehr. Weitere „Hotels und Büroräume braucht das Viertel eher weniger“, so die Besetzer*innen.

Die Besetzer*innen wollen somit nicht, dass das Viertel der Ökonomie und Gentrifizierung zum Opfer fällt. Sie wollen: Bezahlbaren Wohnraum, Erhalt der bestehenden Struktur des Viertels und Freiräume für selbstorganisierte Kultur. Daher fordern sie: „Erhalt des Güterbahnhofs. Keine Verdrängung von sozialen und kulturellen Freiräumen. Ein neues soziales Zentrum im Viertel.“

Dafür haben sie die Besetzung des leerstehenden Gebäudes organisiert und wünschen sich viel Besuch aus den Vierteln, um die Interessen des Viertels zu organisieren.

Kundgebung und Vernetzungstreffen, um Freiräume gemeinsam zu gestalten und Solidarität mit betroffenen Projekten zu üben angekündigt

Zu einer Kundgebung wird für heute, den 22. Juli 2019 um 18:00 vor der Hafenstraße 70 aufgerufen.

Ein Vernetzungstreffen aller Initiativen, Einrichtungen und Gruppen im Hansa- und Bahnhofsviertel soll am Mittwoch, den 24. Juli 2019 um 19 Uhr in der Kneipe Leo:16, Herwarthstr 7, stattfinden.

Die Besetzer*innen in den sozialen Medien:

https://twitter.com/ZentraleM

https://www.instagram.com/zentrale_muenster/

Auch das Neue Deutschland hat berichtet:

Gentrifizierung: Köln, Münster, Tübingen – Besetzt
Eine kleine Besetzungswelle ist am Freitag quer durchs Land geschwappt. Initiativen fordern Freiräume für Wohnen und Kultur.

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