aus dem Magazin

Geschönte Zahlen

Eine Sprecherin der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit sagt es so: „Es ist richtig, dass das subjektive Empfinden von Betroffenen über die Dauer ihrer Arbeitslosigkeit und die statistische Erfassung der Arbeitslosigkeitsdauer nicht immer übereinstimmen.“

Was die Arbeitsmarktzahlen betrifft, versucht die Agentur zu jedem Monatswechsel die Bevölkerung objektiv zu informieren. Zahlen lügen ja nicht. Wenig informiert wird über die Erfassung, die Methode, wie solche Zahlen zustande kommen.

Nur zwei Beispiele, dass das subjektive Empfinden von Betroffenen mitunter die Wirklichkeit besser beschreibt als jede Statistik. Die sogenannte 58er-Regelung besagt, dass derjenige oder diejenige, der/die 58 Jahre und älter ist, 1 Jahr Hartz IV-Geld bezieht und in diesem Zeitraum kein Jobangebot von der Agentur erhalten hat, nicht mehr als arbeitslos gilt und somit aus der Statistik verschwindet. Durch diese Regelung wurde allein im Juni die Zahl um 166 500 nach unten gedrückt.

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Foto: ©Rainer Sturm ©www.pixelio.de

Das zweite Beispiel, die sogenannte „schädliche Unterbrechung“: Aus erfassten Langzeitarbeitslosen werden neue Kurzzeitarbeitslose, wenn der Erwerbslose mindestens einen (!) Tag gearbeitet hat, länger als sechs Wochen krank gemeldet ist oder eine arbeitsmarktpolitischen Maßnahme angenommen hat. Obwohl sich objektiv an der Langzeitarbeitslosigkeit im Prinzip nichts geändert hat, haben diese Kriterien für die Behörde zur Folge, dass ihre betroffenen Kunden nun wieder als kurzarbeitslos gelten. Auch das schönt die Statistik. Allein die Teilnahme an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme hat im Juni die Zahl der „offiziell“ Langzeitarbeitslosen um 83 000 niedriger ausfallen lassen.

Aber Zahlen lügen ja nicht.

 

Christoph Theligmann
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