Arbeit

Die prekäre Situation in der Einzelhandelsbranche

Wir begegnen den betroffenen Arbeitnehmer*innen täglich an der Einkaufskasse. Denn: Zurzeit gibt es Tarifverhandlungen in der Einzelhandelsbranche.

In Zeiten der Digitalisierung, Stichwort einlesbare Codes und personalfreie Abrechnung, mag es da wundern, dass in den letzten zehn Jahren 240.000 Stellen zusätzlich geschaffen wurden. Es arbeiten insgesamt drei Millionen Menschen in der Branche. Die Entwicklung zu einer rund um die Uhr arbeitenden Einkaufswelt ist einer der Gründe dieser Zunahme. Eine weitere ist auch die Tatsache, dass in der Einzelhandelsbranche mehr und mehr in Teilzeit gearbeitet wird: 49,7 Prozent der Arbeitnehmer*innen arbeiten derzeit in Teilzeit. Gesamtwirtschaftlich liegt die Quote nur bei 28 Prozent.

Seit Monaten verhandeln Arbeitgeber*innen und die Gewerkschaft Ver.di einen neuen Tarifvertag aus. Die Berichterstattung in den Medien ist eher dürftig, die Verhandlungsstärke auf Arbeitnehmer*innen-Seite schwach, da lediglich weniger als zehn Prozent gewerkschaftlich organisiert sind.

Mehr Medienpräsenz hat eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken geschaffen. Die Antwort der Bundesregierung und Informationen von Gewerkschaftsseite brachten noch folgende interessante Details ans Licht: Von den drei Millionen Beschäftigten arbeiten ein Drittel (eine Millionen) zu Niedriglöhnen. Infolgedessen erhöht sich stetig die Anzahl der Hartz-IV-Aufstockungen. Auch dies ist eine gegenläufige Entwicklung zur gesamtwirtschaftlichen Situation, denn dort sinkt die Zahl derjenigen Menschen, die ihren Lohn mit Hartz-IV-Unterstützung aufstocken müssen, da es zum Existenzminimum nicht reicht.

Der gewerkschaftspolitische Sprecher der Linken-Fraktion im Bundestag, Pascal Meiser, verlangt deshalb, einen neu ausgehandelten Tarifvertag für allgemeinverbindlich zu erklären, um auch den gewerkschaftlich nicht gebundenen Mitgliedern mehr Arbeitnehmer*innen-Schutz zu gewähren. Schutz zum Beispiel vor Lohndumping.

Christoph Theligmann
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