Arbeit und Soziales Wohnen Zum Leben zu wenig

Die 30 Prozent Hürde

Die ungleiche Verteilung der Einkommen hat einen erheblichen Einfluss auf die Lage der Lebensverhältnisse. Die Last der Wohnkosten ist für Ärmere immer erdrückender.

Dies ist das Ergebnis einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie, ausgeführt von Wissenschaftlern der Humboldt Universität zu Berlin. Zeitlicher Untersuchungsrahmen ist der zwischen 2006 und 2018 gewesen. In dieser Zeit hat sich, Zitat, „die soziale Ungleich im Bereich des Wohnens verschärft und hohe Mietkostenbelastungen verfestigt.“

Bezüglich der Höhe des Anteils der Miete am Einkommen ist die 30-Prozent-Marke eine wichtige Orientierung. Übersteigt die Miete mehr als ein Drittel des Einkommens, kann es für Menschen mit geringem Einkommen problematisch werden. Vielfach bleibt dann für andere Lebenskosten zu wenig übrig. Die Unterkunft ist dann möglicherweise dauerhaft in Gefahr. Auch Vermieter fordern immer häufiger einen Nachweis von Mietbewerbern, dass die Miete weniger als die Drittel des Einkommens ausmacht.

Neuerdings müssen Millionen Menschen laut der Studie 40 Prozent und mehr ihres Einkommens für die Miete ausgeben. In Zahlen: Der Aufwand für 3,1 Millionen Bewohner in 2,2 Haushalten ist mehr als 40 Prozent der Unterhaltskosten allein für die Warmmiete und den Nebenkosten (ohne Strom).  Eine Millionen Haushalte, das sind 12 Prozent, verwenden dafür sogar mehr als die Hälfte.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die durchschnittliche Mietbelastungsquote für alle Mieterhaushalte dieser Entwicklung leicht gegenläufig  ist. Grund, die Einkommen sind im statistischen Durchschnitt stärker gestiegen als die Mieten. Dies ist jedoch nur ein scheinbarer Widerspruch, es ist vielmehr eine Bestätigung, dass in einem reichen Land wie Deutschland, die Schere zwischen arm und reich immer weiter und weiter offen steht.

Bemerkung: kann die 30 Prozent Orientierungsmarke nicht auch bei der Bemessung der Hartz IV-Regelsätze Berücksichtigung finden?!

Christoph Theligmann
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