Rund um Münster

Bleiberecht für iranische Familie aus Roxel gefordert

Sie sind seit neun Monaten in Roxel. Eine fünfköpfige Familie aus dem Iran steht vor der Abschiebung nach Spanien. Die drei Kinder der Flüchtlingsfamilie – zwei Mädchen und ein Junge – hätten schnell Deutsch gelernt und seien in der Marienschule in Roxel gut integriert und ebenso beliebt. Zudem ist eines der Kinder krank. Eine Abschiebung sei deshalb nicht nachzuvollziehen. Der Grund der Abschiebung: Sie sind über Spanien nach Europa eingereist. Sie waren zwar nur drei Tage lang dort, seien dort aber registriert worden. Es gelte das sog. Dublin-III-Verfahren.

Die Familie mit Freund*innen aus dem Unterstützer*innen-Kreis. Foto: Unterstützer*innen-Kreis Roxel.

Die Schulpflegschaft sieht die Abschiebung aus „pädagogischer Sicht“ als nicht tragbar an: „Nicht nur die Fluchterlebnisse haben die Familie sichtbar gezeichnet – auch die gesundheitliche Situation der jüngsten Tochter ist extrem belastend: Bei Yektasad wurde 2016 eine schwere und lebenseinschränkende Nierenerkrankung diagnostiziert, die bis heute nachwirkt. Aufgrund der langen Cortison-Therapie wirkt das zierliche Kind zerbrechlich, leidet an Bauchschmerzen und Schmerzen in den Beinen. Spanien ist nach fester Überzeugung der Schulpflegschaft eine unvorstellbare Perspektive für die Familie – auch da lt. ‚Pro-Asyl‘ in Spanien der Zugang für Geflüchtete zum Gesundheitswesen immer noch nicht verlässlich gewährleistet ist“, so die Schulpflegschaft der Marienschule Roxel.

Das Bündnis gegen Abschiebungen protestiert gegen diese geplante Abschiebung in einer Pressemitteilung. Das Bündnis schreibt:

Eine iranische Familie aus Roxel soll akut entsprechend der Dublin-Verordnung nach Spanien abgeschoben werden. Das Bündnis gegen Abschiebungen Münster findet dies skandalös und fordert ein Bleiberecht für die Familie.

Bündnis gegen Abschiebungen. Grafik: Bündnis

Die Familie ist auf ihrer Flucht über Spanien nach Europa eingereist. Lediglich drei Tage nach ihrer Ankunft dort sind die Eltern mit ihren drei jungen Kindern weiter nach Deutschland geflüchtet und haben sich hier seit ca. neun Monaten eingelebt. Doch eine Erstregistrierung in Spanien gibt dem BAMF den Anlass, die Familie dorthin zurück abzuschieben.

In Spanien erwartet die Familie eine erneute Entwurzelung und die Gefahr, obdachlos zu werden. Denn die Plätze in den Aufnahmeeinrichtungen sind rar und die maximale Aufenthaltsdauer beträgt 6 Monate. „Eine Familie aus ihrem neu gewonnen Umfeld zu reißen, halten wir für vollkommen verantwortungslos“, so Karin Mäufer vom Bündnis gegen Abschiebungen. „Eine Abschiebung kann schwerwiegende Folgen für die Familie haben. Besonders die Nachwirkungen der schweren Krankheit von einem der drei Kinder muss berücksichtigt werden.“

Statt der Möglichkeit, in Roxel weiter Fuß zu fassen, muss die Familie jetzt jeden Tag mit einer Abschiebung rechnen. „Die ständige Angst hat starke Auswirkungen auf die Psyche der Familie“, so Mäufer. „Jedes parkende Auto, jedes Klingeln an der Tür könnte der Beginn der Abschiebung sein.“ Die Situation erzeugt daher extremen Stress und äußerste Angstzustände, worunter vor allem die Kinder leiden. Sie befinden sich noch in der Grundschule und können die Situation in ihrem jungen Alter kaum verarbeiten.

Das Bündnis fordert die Ausländerbehörde der Stadt Münster auf, Spielräume zu nutzen und der Familie eine Perspektive zu ermöglichen.

Über das Bündnis: http://buendnismuenster.blogsport.eu/.

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