Zum Leben zu wenig

Bisher war es immer eine Luftnummer gewesen, nun ein erneuter Versuch: Die private Versicherung gegen Hartz IV

Fehlende Genauigkeit kann man dem Start-up Ewa aus Essen nicht absprechen. Ist der Fall der Arbeitslosigkeit erst mal eingetreten, dauert es im Normalfall 12 Monate bis jemand in das Hartz-IV-System gerät, vorher gilt eben die ALG-I-Regelung –- unter vergleichbar wesentlich angenehmeren Bedingungen gegenüber Hartz IV.

Tritt der Fall ein, dass sich Hartz IV dennoch nicht vermeiden lässt, erst ab diesem Zeitpunkt gibt es Geld von Ewa. Nun hat es schon mehrere Versuche aus der Versicherungsbranche gegeben, private Arbeitslosenpolicen auf den freien Markt zu platzieren, so z.B. 1996 die Volksfürsorge. Es war damals nicht der letzte Versuch, doch auch alle Nachfolgemodelle scheiterten. Schlichter Grund sind die Kosten gewesen: Es war einfach viel zu teuer.

Was ist also heute anders, dass es einen neuen Anlauf gibt? Ein Hinweis vielleicht, es ist ein „trendiges“ Start-up und nicht die alteingesessene Versicherungsbranche, die nun mit dieser Idee, natürlich immer im ökonomischen Gewand, damit um die Ecke kommt. Wir erleben gerade eine Umbruchphase, gemeint ist die Digitalisierung. Auch bisher ordentlich bezahlte Jobs werden in Zukunft wegrationalisiert, „wegrobotisiert“. So lautet die weitverbreitete Prognose. Das eröffnet dann natürlich auch – wie schon seit alters her-–, neue Geldschöpfungsphantasien. Zielgruppe, die das Start-up im Visier hat, ist dann wohl die Gruppe der gutsituierten Fachkräfte, die ordentlich finanzstarke Mittelschicht mit Abstiegsängsten. Das klingt zukunftsweisend. Gutes Gelingen und einen guten Geschäftserfolg.

Christoph Theligmann
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