Rund um Münster

Baumhaus in Münster: „Was wir hier tun, ist Klimanotwehr“

Die Initiative „Fossil free Münster“ setzt sich dafür ein, dass Münster ohne fossile Brennstoffe auskommt. In Anbetracht der Klimakrise fordern sie vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seit vier Jahren die sofortige Beendigung aller Investitionen in den Kohlekonzern RWE, einen der größten CO2-Emittenten Europas. Deshalb haben sie im Rahmen des Aktionswochenendes für Klimagerechtigkeit des neuen Bündnisses „Klimaalarm Münster“ einen Baum vor dem LWL besetzt. Den Baum schmückt nun ein kleines Baumhaus. Denn: „Was wir hier tun, ist Klimanotwehr“.

Wir haben Ina von der Initiative gefragt, was es mit dem Baumhaus auf sich hat:

Das Baumhaus vor dem LWL. Foto: Jan Große Nobis.

SPERRE: Ina, Ihr sitzt nun in einem Baum vor dem LWL. In einem selbst gebauten Baumhaus. Das macht man nun ja nicht jeden Tag. Was hat es damit auf sich?

Ina: Der LWL besitzt noch 6,6 Millionen RWE-Aktien. Wir sind von „Fossil free Münster“ und kämpfen seit vier Jahren dafür, dass der LWL diese RWE-Aktien veräußert und sich ethisch-ökologische Anlagekriterien auferlegt. Da wir bisher immer viele Gespräche geführt haben, die aber zu nichts geführt haben, außer dass beschlossen wurde, dass ein Viertel der Aktien verkauft wird, haben wir uns entschlossen: Für jeden Schritt, den der LWL nicht geht, gehen wir einen Schritt weiter. Deswegen sitzen wir hier nun in diesem Baum.

SPERRE: Was wäre dann der nächste Schritt, wenn der LWL sich nicht bewegt?

Ina: Das überlegen wir uns dann!

SPERRE: Also 25 Prozent wollen sie verkaufen. Das ist für Euch nicht genug?

Ina: Genau. Wir fordern 100 Prozent.

SPERRE: Und ein Angebot, nach und nach die Aktien zu verkaufen, gibt es bislang auch nicht?

Ina: Nein, Gleichzeitig haben sie aber den Klimanotstand ausgerufen und viel über das Thema in der Sitzung diskutiert, in der der Verkauf beschlossen wurde. Das ist schon einmal positiv. Weil wir immer versuchen, die ökologisch-moralischen Aspekte des Verkaufs in den Vordergrund zu stellen. Trotzdem gibt es keinerlei Anzeichen, dass sie die hundert Prozent verkaufen.

SPERRE: Ihr besetzt den Baum nun seit dem Wochenende. Geräumt seid Ihr noch nicht. Wie geht es weiter? Hat sich der LWL schon geäußert?

Ina: Der LWL sagt scheinbar, wir können hier erstmal sitzen bleiben.

SPERRE: Der LWL hat noch nichts gesagt…

Ina: Nein. Von den Grünen [aus der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe] und jemand aus der Verwaltung waren da.

SPERRE: Und die Polizei?

Ina: Die waren auch eigentlich rund um die Uhr da. Jetzt sind sie es gerade aber nicht.

SPERRE: Die warten ab?

Ina: Ja.

SPERRE: Und es ist ja auch eine Mahnwache angemeldet.

Ina: Genau. Es ist eine Mahnwache angemeldet.

SPERRE: Ina, ich Danke Dir für das Gespräch.

Die Polizei kann das Baumhaus im Übrigen nur räumen, wenn der LWL Strafantrag stellt und dies beantragt. Inzwischen hat der LWL wohl gegenüber dem WDR erklärt, dass er keinen Strafantrag stellen will, so berichtet „Fossil free Münster“ auf Facebook. Die Besetzung soll mindestens bis Dienstag weitergehen.

Und „Fossil free Münster“ lädt dazu ein, die Ausschüsse und die Landschaftsversammlung zu besuchen, wenn es um die RWE-Aktien geht und um die Reinvestierung der frei gewordenen Gelder:

Von der Menschenkette beim „Klimaalarm” berichtet MünsterTube in einem kurzen Beitrag: „‚Bis hierhin und nicht weiter!‘ – Klimaalarm in Münster ausgerufen“.

Update 02.10.2019: Das Baumhaus bleibt und feiert Party:

Jan Große Nobis
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