Zum Leben zu wenig

Ausgedient und abgeschrieben

Seit  2011 stagniert die Anzahl derjenigen, die mindestens ein Jahr lang vergeblich einen Job suchen. Auch 2014 waren dies 1 Millionen Menschen. Zur Zeit sind knapp 3 Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet. 2/3 der Betroffenen wird also innerhalb von 12 Monaten der (Wieder)einstieg in die Arbeitswelt gelingen, ein Drittel wird das nicht schaffen.

Arbeitsmarktpolitischer Kahlschlag ©photo: siepmannH/www.pexelio.de
Arbeitsmarktpolitischer Kahlschlag  Foto: ©siepmannH ©www.pixelio.de

Fördern und Fordern! Von den Arbeitslosen wird viel verlangt: Bewerbungsmarathons, Arbeitsmaßnahmen, Meldepflichten etc.. Doch da sind 1 Millionen Menschen, die aus dem Hamsterrad Arbeitslosigkeit nicht herausfinden. Welche Fördermaßnahmen werden von Seiten des Staates ergriffen, um auf diesem Feld positive Veränderungen zu erzielen? Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann wollte das herausfinden und stellte eine diesbezügliche Anfrage bei der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Zur Antwort bekam Frau Zimmermann Auskünfte, die sie einen „arbeitsmarktpolitischen Kahlschlag“ nennt. Bei der Förderung spart die aktuelle Bundesregierung, der bekanntlich die Sozialdemokraten angehören und die das Arbeitsministerium stellen, gleich den Sparmaßnahmen der alten CDU/ FDP Koalition vordermal. Gab es 2010 noch etwa 200 000 Förderhilfen, waren es 2014 nur noch ca. 110 000. Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung wurden in diesem Zeitraum um ein Drittel verringert.

Von diesem „1 Millionen Klientel“ scheint die Agentur für Arbeit ein genaues Bild zu haben. Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der BA weiß zu berichten, dass 500 000 Betroffene aufgrund psychischer und krankheitsbedingter Umstände, der Einstieg in reguläre Arbeiten in naher Zukunft verwehrt bleiben wird. Mittelfristig seien 300 000 Menschen nur über den sogenannten zweiten Arbeitsmarkt zu helfen, der aber ebenfalls in den vergangenen Jahren abgebaut worden ist. Schließlich die übrigen 200 000: Sie bräuchten eine „soziale Heimat“ z.B. bei Vereinen, Kirchengemeinden oder Wohlfahrtsorganisationen. Was sagt uns das unter anderem? Die Jobcenter fordern, fördern aber immer weniger, wissen viel über ihre „Kunden“ und verorten das Soziale nicht mehr politisch, nur noch gesellschaftlich unter neoliberalen Vorgaben.

Christoph Theligmann
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