Wohnen

Akutplan für soziales und bezahlbares Wohnen in Deutschland: zwei Millionen Sozialwohnungen bis 2030 gefordert

Ein Bündnis aus Deutschem Mieterbund, IG Bau und Caritas fordert ein Investitionsprogramm zur Bekämpfung der Wohnungsnot in Deutschland. Bis zum Jahr 2030 müsse es mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen geben. Damit wäre wenigstens der Bestand aus dem Jahr 2007 wieder erreicht, heute gibt es nämlich lediglich nur noch ca. 1,2 Millionen Sozialwohnungen und das unter verschärften Bedingungen. Insofern ist diese Forderung in angespannten Zeiten betreffend prekärer Wohnsituationen für die betroffenen Menschen auch nur als Minimalziel zu verstehen.

Sozialwohnungen sind in der Regel zwischen zwölf und 20 Jahre sozial gebunden, danach sind sie Bestandteil von Angebot und Nachfrage auf dem freien Markt. Diese Begrenzung auf Zeit erklärt auch den Rückgang der Zahlen in dem Zeitraum von 2007 bis heute. In der Vergangenheit gab es große Wohnkontingente in öffentlicher Hand, man denke nur an die vormals im Bundeseigentum befindlichen Dienstleister Bahn und Post, die auch verstärkt als Wohnungseigentümer*innen nicht nur für ihre Mitarbeiter*innen agierten. Als diese zum Beispiel in Aktiengesellschaften umgewandelt wurden, kam es zum großen Immobilienverkauf. Die nur der freien Marktwirtschaft sich verpflichtet fühlenden Nachfolgeeigentümer*innen hatten keinerlei Interesse nach Ablauf der Sozialbindung diese zu verlängern, wenn sie nicht schon bereits bei der Übernahme im rechtlich fragwürdigen Niemandsland gekappt wurde.

Übrigens, benötigt werden nicht nur Neubauten. Vermieter*innen könnten gleich jetzt für einige Jahre ihre Wohnungen als Sozialwohnungen anbieten, wenn sie sogenannte Belegrechte an Bund, Land oder Kommunen verkaufen. Dafür müssten die Fördergelder dann aber auch aufgestockt werden.
Das oben genannte Bündnis beruft sich auf eine Studie des Pestel-Instituts, welches spezialisiert ist auf Wohnungsmarktanalysen. Das Institut kommt zu dem Schluss, eigentlich seien 5,6 Millionen Sozialwohnungen vonnöten, doch den Bestand von vor 12 Jahren wiederzuerlangen, sei vorerst ein notwendig erster Schritt – wohl genauer gesagt ein erster Rückschritt!

Siehe auch:
Wohnungsmarkt: Im Münsterland fehlen jährlich 10.000 neue Wohnungen – die Preise explodieren (Studie des Pestel-Instituts für das Münsterland)
https://www.sperre-online.de/wohnungsmarkt-im-muensterland-fehlen-jaehrlich-10-000-neue-wohnungen-die-preise-explodieren/

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Christoph Theligmann

Redakteur bei der Sperre
Redakteur des Magazin Sperre sowie dem Online-Portal des Magazins
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